München. Also doch: Volkswagen regiert bei Porsche durch und setzt einen in der Wolle gefärbten Konzern-Mann an die Spitze des Sportwagenbauers. Der wird dort künftig Autos bauen, die aus dem Baukasten des VW-Konzerns zusammengesetzt sind und mit dem Markenkern von Porsche so gut wie nichts mehr zu tun haben. Nun, Kritikern fällt es derzeit leicht, dieses Horrorszenario zu entwerfen. Doch die jüngere Geschichte des Mehrmarkenkonzerns Volkswagen deutet in eine andere Richtung: Der neue Porsche-Chef Matthias Müller wird alles tun, um den Eindruck zu vermeiden, künftige Porsches seien umfirmierte VWs. Denn darauf warten die Kritiker ja nur.
"Jetzt bekommt mein Porsche ja Polo-Knöpfe“, entrüstete sich ein Porsche-Fahrer nach der Übernahme seiner Marke durch VW. Meine Antwort: "Sei froh, denn die Knöpfe im 911 fühlen sich derzeit an wie im Dacia, nicht wie im Polo.“ Kein Zweifel: Porsche wird profitieren. Die Marke wird stärker noch als Audi auf ihre Eigenständigkeit achten, die Konzermutter auch mal ärgern und Modelle zeigen, die eigentlich nicht geplant waren. Theoretisch erscheint es so gut wie unmöglich, einen Konzern aus zwölf Marken zu führen. Doch in der Praxis funktioniert es doch ganz gut, wie die jüngsten VW-Zahlen zeigen.
Macht Volkswagen denn alles richtig? Sicher nicht: Die Qualität der Fahrzeuge entspricht in vielen Fällen noch immer nicht dem Preispremium, das für die Autos verlangt wird – weshalb jetzt ein neuer Qualitätschef (ein Porsche-Mann!) ernannt wurde. Der Flottenverbrauch liegt auf dem Niveau von BMW und ist damit, wegen der großen Zahl an Klein- und Kompaktautos, viel zu hoch. Auch die Mehrmarkenstrategie geht nicht überall auf: Unterhalb von Sˇkoda hat sich eine Lücke aufgetan, die nun von der Renault-Marke Dacia erfolgreich gefüllt wird, während die Superbs, Octavias und Fabias aus Tschechien Volkswagen Kunden abjagen. Gleichzeitig rückt die Marke VW mit Modellen wie Passat CC und Phaeton der Audi-Klientel auf den Leib. Es läuft also nicht alles rund im Hause Piëch/Winterkorn. Aber, und auch das muss gesagt werden: Es läuft deutlich besser als bei den meisten anderen Fahrzeugherstellern. VW kann es an die Weltspitze schaffen. Allerdings sollte sich die Konzernführung schon jetzt Gedanken über die Frage machen: Was kommt nach dem Gipfel?