München. Der zweite Automobilwoche Kongress in Berlin war ein voller Erfolg. Nicht nur, weil die Veranstaltung trotz der gegenwärtigen Krise mit 390 zufriedenen Zuhörern ausverkauft war. Wichtiger ist, welche Stimmung an den zwei Tagen am Potsdamer Platz verbreitet wurde: von Depression und Resignation keine Spur. Die Branchengrößen am Rednerpult, allen voran Maria-Elisabeth Schaeffler, Martin Winterkorn, Dieter Zetsche und Karl-Thomas Neumann, machten klar, dass die Lage der Automobilindustrie, der Zulieferer und des Handels ausgesprochen ernst ist, aber dass die Krise neben Gefahren auch Chancen bietet. Gerade die gut aufgestellten deutschen Autobauer und ihre Lieferanten haben die Chance, gestärkt daraus hervorzugehen. Weil der technische Anspruch an die Produkte steigt, nicht nur vonseiten der Kunden (Qualität, Verbrauch), sondern auch vonseiten des Gesetzgebers (CO2, Unfallschutz), ist dies die Stunde der Ingenieure.
Wer derzeit genug Finanz- und Humankapital hat, um in seiner Entwicklungsabteilung das Auto „neu zu erfinden“ (Zetsche), hat die besten Voraussetzungen für eine strahlende Zukunft. Wie gut die deutsche Autoindustrie umwelttechnisch – trotz der Kritik oberflächlicher Medien und populistischer Politiker – aufgestellt ist, zeigt ein Blick in die ADAC-Liste der Autos, die schon jetzt die Abgasstandards Euro 5 und Euro 6 erreichen. Sie wird dominiert von Produkten aus Ingolstadt, Wolfsburg, München und Rüsselsheim. Toyota? Fehlanzeige. Peugeot? Ist mit gerade vier Modellen vertreten. Damit wird auch klar, warum die Bundesregierung ihr „Konjunkturpaket“ an die neuen EU-Normen gekoppelt hat und nicht an den CO2-Ausstoß.
Schließlich soll die Konjunktur in Deutschland angekurbelt werden, nicht in Italien, Frankreich oder Japan. Auf die Kritik der Grünen, was das mit Umweltschutz tun hat, kann man nur entgegnen: Sollte man stattdessen Autos fördern, die zwar wenig CO2, dafür aber mehr Stickoxide und Rußpartikel in die Luft blasen? Was hätte das denn mit Umweltschutz zu tun? Dass etwa ein VW Phaeton W12 (Euro 5, 345 g CO2/km) nicht übermäßig von dem Programm profitiert, dafür sorgt schon die derzeit sehr verhaltene Nachfrage nach solchen Luxusschlitten. Eine berechtigte Kritik an dem Konjunkturprogramm, die auch auf dem Automobilwoche Kongress zu hören war: Etwas mehr als ein paar Hundert Euro Kfz-Steuer hätte es von seiten der Regierung schon sein dürfen.