München. Was immer bei den Gesprächen zwischen Bundesregierung und Industrie zur Elektromobilität letztendlich herauskommen wird, eines ist klar: Der Umwelt wird es keinen messbaren Nutzen bringen, solange der Strom nicht nur aus der Steckdose kommt. Und selbst der industriepolitische Fortschritt ist zumindest zweifelhaft. Der Subventionswettlauf zwischen den großen Autonationen bei der Förderung von Elektroautos hat längst absurde Züge angenommen. Selbst Länder wie Spanien, die in der aktuellen Eurokrise von der Pleite bedroht sind, fördern Elektroautos mit Milliardenbeträgen.
Der Grund liegt meist in der verfehlten Industriepolitik der Vergangenheit: So hat Großbritannien in den vergangenen zehn Jahren mehr als die Hälfte seiner Industriearbeitsplätze eingebüßt – unter anderem durch die Rover-Pleite. Nun hofft die britische Regierung, das auf dem Gebiet der konventionellen Automobilindustrie verlorene Terrain bei der Elektromobilität wieder aufzuholen – und stellt jedem Autobauer, der ankündigt, ein Elektroauto auf die Straße zu bringen, einen Blankoscheck aus. Auch in Spanien scheint die Motivlage ähnlich: Nach dem Eintritt des Landes in die EU, nach gestiegen Arbeitslöhnen und wegen der hohen Logistikkosten gibt es eigentlich keinen betriebswirtschaftlichen Grund mehr, in Spanien Autos zu bauen. Durch die Förderung von E-Mobilität hofft Madrid offenbar, VW, Seat, Ford und GM im Lande halten zu können. Die deutschen Autobauer verweisen gegenüber Kanzlerin Angela Merkel nun darauf, dass es die Regierung nicht bei 600 Millionen Euro Fördersumme belassen könne, wenn andere Staaten ihren Autobauern Milliarden versprechen. Das sei doch eine extreme Wettbewerbsverzerrung.
Doch diese Rechnung wird nur aufgehen, wenn am Ende die Elektromobilität auch einen großen Kundenkreis findet. Und das ist meiner Meinung nach höchst zweifelhaft. All die Kunden, die das Drei-Liter-Auto von VW, den A2 von Audi und den Prius von Toyota verschmäht haben, werden bald in den Autohäusern staunend auf die ersten Elektroautos blicken. Sie werden sich von den Verkäufern die technischen Daten erklären lassen ("Kostet 50.000 Euro, fährt aber 120 Kilometer weit mit einer Batterieladung!“), um dann bewundernd zu nicken und die Frage zu stellen: "Wo stehen denn jetzt die richtigen Autos?“