München. Katalysator, Dieselpartikelfilter, Hybrid – der Schock sitzt noch immer tief. Nicht noch einmal will sich die stolze deutsche Automobilindustrie nachsagen lassen, die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben. Also wird überall zwischen Wolfsburg und Rüsselsheim, Stuttgart und München am Elektroantrieb geforscht. Denn der gilt – zumindest in weiten Teilen von Öffentlichkeit und Politik – als die Zukunftstechnologie. Die Industrie tappt dabei jedoch in eine Öko-Falle, die für einige Hersteller leicht existenzbedrohend sein kann. Denn bei vielen Autobauern dürften die Milliarden, die jetzt in die Elektromobilität investiert werden, bei der notwendigen Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors fehlen. Doch genau dieser Antrieb, der effiziente Benzin- oder Dieselmotor, wird noch auf Jahrzehnte die bestimmende Technologie im Individualverkehr sein. Da man aber schon aus Image-Gründen die Forschung am Elektroauto nicht vernachlässigen darf, ist für die Autokonzerne eine teure Parallelentwicklung notwendig.
Die Industrie muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Ein Blick in die jüngsten Bilanzen der Autobauer zeigt aber, dass es weltweit gerade noch eine Handvoll OEMs gibt, die sich das auch leisten können. Volkswagen gehört dazu, Toyota und Hyundai auch. BMW und Mercedes mit Einschränkungen – sofern sie sich endlich zu Kooperationen aufraffen können. Bei Fiat, PSA, Renault und den kleineren japanischen Marken bin ich mir schon nicht mehr sicher, und General Motors und Ford haben derzeit andere Sorgen.
Vor allem GM konzentriert sich aufs Elektromobil und macht so den zweiten Schritt vor dem ersten. Hier wird nicht nur aus unternehmenspolitischer Sicht eine fatale Entwicklung sichtbar. Auch umweltpolitisch haben wir mit Zitronen gehandelt, wenn wir einseitig aufs Elektroauto setzen. Denn das wird allein wegen der geringen Stückzahlen für die CO2-Bilanz auf absehbare Zeit unbedeutend bleiben – und nicht nur, weil der Strom zu großen Teilen aus fossilen Brennstoffen kommt und ein Elektroauto also nicht CO2-frei fährt. Das geplante Ziel der EU, bis 2020 einen Flottendurchschnitt von 95 Gramm CO2 zu erreichen, muss mit verfeinerten Verbrennungsmotoren geschafft werden. Weder Elektroauto noch Vollhybrid werden hier einen großen Beitrag leisten können. Daran werden auch staatliche Subventionen in Milliardenhöhe wenig ändern.