München. Haben Sie bei der Lektüre der Grafik auf Seite drei auch gestutzt? General Motors war im ersten Halbjahr der größte Autobauer der Welt – wer hätte das Anfang des Jahres noch für möglich gehalten? Steigt da ein noch vor Jahresfrist totgesagter Konzern wie Phönix aus der Asche? Da ist wohl Vorsicht geboten. New GM steht vor der Rückkehr an die Börse, um den US-Steuerzahlern die Notkredite von 50 Milliarden Dollar zurückzahlen zu können. Das neue Management will dazu von den neuen Aktionären offenbar eine aberwitzig hohe Summe von bis zu 90 Milliarden Dollar einsammeln. Damit würde New GM hinter Toyota zum zweitwertvollsten Autokonzern der Welt. Um einen so hohen Ausgabepreis der New-GM-Aktie zu rechtfertigen, müssen Erfolgsgeschichten her.
Wie die von der Rückkehr an die Weltspitze. Denn GM ist zum Symbol dafür geworden, dass in der Automobilindustrie nichts mehr sicher ist, schon gar nicht das Geld langfristig orientierter Anleger. Generationen wuchsen mit der Erkenntnis auf, dass General Motors der größte Autobauer der Welt ist. Bis 2007 Toyota vorbeizog und 2009 die Insolvenz kam. Zwar hat sich GM danach fast gänzlich entschuldet, jeder sechste Arbeitsplatz wurde gestrichen. Und der Erfolg in China, wo der Absatz im ersten Halbjahr um 60 Prozent stieg, tat ein Übriges. Auch in den USA und Südamerika geht es bergauf. Eigentlich ist nur der europäische Markt ein deutlich sichtbarer Makel in der schönen neuen GM-Welt, denn nur hier geht der Absatz derzeit zurück. Europa ist aber ein Schlüsselmarkt: Wer die anspruchsvolle Kundschaft auf dem alten Kontinent überzeugt, kann überall erfolgreich sein.
Und immer weniger Kunden lassen sich von Opel- oder Vauxhall-Produkten überzeugen. Technisch sind sie nur noch Durchschnitt. Ein Premium-Preis, den Opel wegen der hohen Produktionskosten in Deutschland eigentlich bräuchte, lässt sich mit Corsa, Astra und Co. kaum noch erzielen. Könnte New GM einen Großteil des Kapitals aus dem Börsengang in neue Produkte investieren, um diesen Makel auszugleichen, müssten sich Toyota, Volkswagen und Ford tatsächlich Sorgen machen wegen eines neuen, starken Konkurrenten. Doch der US-Steuerzahler will sein Geld zurück. Nein, New GM ist längst nicht über den Berg. Das Unternehmen steht nur nicht mehr ganz so nah am Abgrund.