München. Der BMW-Chef scheint alle Argumente auf seiner Seite zu haben: Statt weiter in die Formel 1 zu investieren, werde man sich auf die Entwicklung ökologisch korrekter Automobile konzentrieren, lautete die Begründung der Bayern für den Ausstieg aus der Rennserie. "Unser Engagement in der Formel 1 entspricht dabei nicht mehr unserer Hauptzielrichtung.“ Dafür erntete Norbert Reithofer überall Applaus. Schließlich folgt die Aussage dem Öko- Mainstream und ist politisch korrekt. Ganz anders Mercedes- Chef Dieter Zetsche: Zunächst kaufte er einen eigenen Rennstall für die Marke, die damit erstmals seit der Zeit der legendären Silberpfeile wieder eigenständig in der Formel 1 an den Start geht. Und dann verpflichtete er auch noch Michael Schumacher zum Schnäppchenpreis von sieben Millionen Euro.
Wer liegt richtig, Zetsche oder Reithofer? In den deutschen Kommentarspalten und Internetforen herrscht darüber kaum ein Zweifel. Mercedes wird als Geisterfahrer der Automobilindustrie, als Dinosaurier hingestellt, der im Gegensatz zu den Formel-1-Aussteigern BMW und Toyota am "klimaschädlichen“ Rennsport festhält. Diese Sichtweise entspricht zwar dem Zeitgeist, doch wie sagte schon ein anderer, berühmterer Bayer (Franz-Josef Strauß): "Wer den Zeitgeist heiratet, könnte eines Tages als Witwer aufwachen.“ Nicht nur, dass alle Formel-1-Rennen eines Jahres zusammen weniger CO2 verursachen als ein Jumbo-Flug von Frankfurt nach Tokio. Die Öko-Kritik am Formel-1-Engagement von Mercedes ist eurozentristisch. Europa aber spielt in der Formel 1 eine stetig geringer werdende Rolle. Mittlerweile finden weniger als die Hälfte der Rennen in der Alten Welt statt. In den dynamischen Volkswirtschaften Asiens fliegen den PS-Rittern die Herzen der Fans zu.
Ein Blick auf den Rennkalender zeigt, wohin die Reise geht: Bahrain, Malaysia, China, Singapur und die Emirate. Indien dürfte bald dazukommen. In Asien, nicht in Europa, liegen aber die Wachstumsmärkte der Automobilindustrie. Und dort funktioniert das Formel-1-Marketing noch immer: "Win on Sunday, sell on Monday!“ Selbst in Deutschland dürften die Öko- Kritiker durch Schumis Comeback millionenfach übertönt werden. Spätestens wenn nach seinem ersten Sieg für Mercedes die deutsche Nationalhymne gespielt wird, und zwar für Fahrer und Rennstall, dürfte BMW nicht mehr grün, sondern ziemlich blass aussehen.