München. Im Herbst ist es so weit: In Autohäusern und in der Werbung muss die jeweilige Effizienzklasse eines Autos, bemessen an CO2-Ausstoß und Gewicht des Fahrzeugs, deutlich sichtbar als "Teil der Werbebotschaft“ ausgewiesen werden. Über die deutsche Auslegung der EU-Verordnung gab es im Vorfeld hitzige Diskussionen. Denn die Bundesregierung weigert sich, unterstützt von der Autoindustrie, einfach nur den CO2- Ausstoß zur Klassifizierung heranzuziehen. Und das zu Recht: Wenn es nur um CO2 pro Kilometer ginge, wären große Autos stets im Nachteil. Und warum sollte das so sein? Es gibt viele gute Gründe, sich ein großes Auto zu kaufen – eine Familie zum Beispiel oder ein Hobby mit großem Platzbedarf.
Warum aber ausgerechnet das Gewicht des Fahrzeugs – schweren Autos wird mehr CO2 zugestanden als leichten – herangezogen wurde, bleibt das Geheimnis von VDA und Regierung. Wo bleibt da der Anreiz, das Fahrzeuggewicht zu senken? Dabei investieren BMW, VW und Mercedes derzeit Hunderte Millionen Euro in diesem Bereich. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, den Innenraum (Sitzplätze, Kofferraum) mit einzubeziehen? Dennoch ist die harsche Kritik von Umweltschützern und Importmarken am deutschen Öko-Label unberechtigt. So spotteten die Kollegen von "Auto Bild“ und "Spiegel“, ein 62 Tonnen schwerer Panzer vom Typ Leopard 2 könne in der gleichen Effizienzklasse E eingestuft werden wie ein Smart mhd, der nur 750 Kilogramm wiegt und 4,5 Liter verbraucht. Nun, der Leo hat zwar mit 340 bis 530 Liter Diesel pro 100 Kilometer den hundertfach höheren Verbrauch.
Die moderate Einstufung in die Effizienzklasse E ist dennoch berechtigt. Denn andere schwere Kampfpanzer wie der französische Leclerc und der britische Chieftain verbrauchen glatt das Doppelte und kämen damit nur in Effizienzklasse G. Auch das US-Modell M1 Abrams benötigt 50 Prozent mehr Treibstoff. Das Beispiel Leopard 2 zeigt also gerade, wie richtig es ist, ein Öko- Label zu haben, das die Vergleichbarkeit in Fahrzeugklassen gewährleistet. Der CO2- Ausstoß muss ja jetzt schon in jeder Werbung und im Autohaus ausgewiesen werden. Dass ein Panzer – oder ein Familien- Van – mehr verbraucht und damit mehr CO2 produziert als ein Kleinwagen, das wussten wir auch schon ohne Öko-Label. Wie vergleichsweise sparsam ein Leopard 2 ist, jedoch nicht.