Zwei Zahlen machten vergangene Woche die Runde: Bei General Motors in den USA haben 35.000 Mitarbeiter das großzügige Abfindungsangebot des Konzerns angenommen und gehen. So viele Mitarbeiter wollte GM eigentlich gar nicht loswerden. Bei Volkswagen wollen gerade mal 1000 Mitarbeiter die doppelt so hohe Abfindung annehmen, obwohl der Konzern mindestens 20.000, eher wohl 30.000 Menschen zu viel an Bord hat.
Klartext - Bernhard wird niemals VW-Chef!
Quälend langsam kommt VW mit den notwendigen Sanierungsschritten voran. Wie muss das auf VW-Markenchef Wolfgang Bernhard wirken, dessen Ungeduld schon sprichwörtlich ist. Vielleicht wächst in diesen Tagen bei ihm die Erkenntnis, dass VW nicht das richtige Unternehmen für ihn ist. Das träfe sich gut, denn grosse Hoffnungen auf den Chefsessel bei Europas grösstem Autobauer sollte er sich sowieso nicht machen. Eine ganze Reihe von Indizien spricht dagegen:
1. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat will Bernhard nicht. Den Gewerkschaftern ist das Sanierungstempo des eher zaghaften Konzernchefs Bernd Pischetsrieder schon zu hoch. Die Vorstellung, künftig dem nassforschen Bernhard gegenüberzusitzen, gefällt den Arbeitnehmervertretern gar nicht.
2. Bernhard hat sich bei VW, wie schon bei DaimlerChrysler, den Ruf eines unabhängigen Kopfes erworben, der sich vom Aufsichtsrat nicht hineinregieren lässt. Das macht ihn für die Kapitalseite, also vor allem für Porsche und Niedersachsen, hochgradig suspekt. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, so ist zu hören, soll von Bernhard ohnehin nicht begeistert sein.
3. Noch-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat Bernhard zwar schon als Kronprinz ausgerufen, doch selbst das spricht gegen seine Ernennung. Denn der österreichische Machiavelli hat dabei sicher bedacht, dass er damit Bernhards Gegner in Stellung bringt. Das war ein Ritterschlag mit der scharfen Seite des Schwertes.
Gäbe es also noch zwei Fragen zu klären: Wer wird Pischetsrieder in zwei, drei Jahren ablösen? Und wo geht Bernhard hin? Dessen Weg könnte zurück nach Detroit führen, wo GM und Ford ihre Wunden lecken und einen toughen Chef brauchen. Wer an die Spitze von VW rücken wird, ist hingegen völlig offen. Im Konzern, traurig genug, drängt sich kein Name auf. Der oft genannte Audi-Chef Martin Winterkorn hat im Aufsichtsrat bis auf Piëch ebenfalls keine Lobby. Bliebe ein externer Kandidat. VW sollte sich frühzeitig auf die Suche machen.