München. Banken in Spanien wanken – und wieder ist von einer Systemkrise die Rede. Angesichts der Zuspitzung der Schuldenkrise horten Europas größte Banken Bargeld bei den Zentralbanken. Ende März hatten laut Wall Street Journal zehn der größten europäischen Banken insgesamt rund 1,2 Billionen Dollar Bargeld – die Deutsche Bank 153,74 Milliarden Dollar – bei den Zentralbanken geparkt. Ein Großteil sei auf die EZB-Tender zurückzuführen, denn die Institute bevorraten sich mit Geld, das eigentlich zur sofortigen Kreditvergabe gedacht war.
Die Banken aber bauen lieber einem Bank Run und einer Kreditklemme vor. Denn die Belastung aus den Staatsanleihen der Krisenländer ist in vielen Bankbilanzen noch nicht vollständig erfasst. Die Deutsche Bank muss bis 2021 insgesamt 914 Milliarden Euro Anleihen zurückzahlen, das entspricht etwa der Hälfte ihrer Bilanzsumme. Moody´s hat sieben deutsche Banken um je eine Stufe herabgesetzt. Europas Wirtschaft stagniert, Euro-Länder wie Spanien und Griechenland stecken tief in der Rezession. Es besteht die Gefahr einer lang anhaltenden Rezession. Offenbar bleibt Europa eine neue – oder besser – eine wiederkehrende Bankenkrise nicht erspart.
Und die deutschen Autobanken? Sie sehen zwar Gewitterwolken am Horizont aufziehen, bei ihnen selber aber herrscht eitel Sonnenschein. Denn der Autoabsatz läuft. Auch wenn im Mai die Zulassungen in Deutschland um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind, rechnet die Branche weiterhin mit einem stabilen Geschäft. Für Mercedes Benz zum Beispiel war Deutschland nach eigenen Angaben im ersten Quartal 2012 nach den USA mit 14,6 Prozent Wachstum der zweitgrößte Absatzmarkt. Die Mercedes-Benz Bank konnte ihr Neugeschäft zu Jahresbeginn um sechs Prozent gegenüber dem Wert aus dem Rekordjahr 2011 steigern. Rund 18 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet die Bank hierzulande. "Das Deutschlandgeschäft spielt für die Daimler AG nach wie vor eine sehr wichtige Rolle", teilt der Konzern mit. "Wir sehen in Deutschland derzeit keine Anzeichen für eine Kreditklemme oder Bankenkrise".
Keine systemischen Risiken
Aus der Sicht der Autobanken ist das nachvollziehbar, denn sie besitzen zwar eine Banklizenz, sind aber lediglich privatwirtschaftliche assetbasierte Absatzfinanzierer der Autohersteller. Das heißt: keine Investmentsparte, keine riskanten Wetten, keine Immobiliensparte – und mit einer gemeinsamen Bilanzsumme von hochgerechnet 100 bis 150 Milliarden Euro (Deutsche Bank: 1500 Milliarden Euro) auch keine Systemrelevanz.
Autobanken erfüllen keinen öffentlichen Auftrag wie die Sparkassen und ihre Aufgabe ist auch nicht die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten. Mit Geld versorgt wird lediglich der Fahrzeugkonsum von Privatkunden und Unternehmen sowie die eigene Händlerorganisation. Im vergangenen Jahr haben die AKA-Mitglieder Fahrzeuge im Wert von rund 30 Milliarden Euro an private und gewerbliche Kunden verleast oder finanziert, die Finanzierung der Handelspartner umfasste rund 14 Milliarden Euro.
Autobanken haben weder systemische Risiken in ihren Büchern, noch müssen sie sich zwingend am Kapitalmarkt refinanzieren. Denn solange die Kunden die Raten zahlen und die Anleger ihr Gespartes bei ihnen deponieren, ist der Geldkreislauf geschlossen. Aber auch eine Refinanzierung am Kapitalmarkt wäre nicht schwierig. Denn Kredite mit guter Bonität – eine der Kernexpertisen der Mercedes-Benz Bank liegt im Umgang mit Kreditausfallrisiken – lassen sich zu ABS-Transaktionen bündeln und problemlos am Markt verkaufen.
Reinrassige Objektfinanzierer
Mit ihren auf Vermögenswerten gegründeten Krediten sind Mercedes und Co. als reinrassige Objektfinanzierer eine sichere Bank – den Sparern sei Dank: Die hatten den drei größten Autobanken mit Einlagengeschäft – Mercedes-Benz, BMW und VW – während der Finanzmarktkrise Milliarden in die Kasse gespült. Das zahlt sich bis heute aus: "Die Mercedes-Benz Bank kann sich problemlos refinanzieren". teilt das Unternehmen mit. "Wir tun dies größtenteils über unser Einlagengeschäft und nutzen das Geld, um unser Leasing- und Finanzierungsgeschäft für Daimler-Fahrzeuge zu refinanzieren. Das ist unser Geschäftsmodell."
Das derzeitige Einlagevolumen betrage rund elf Milliarden Euro, im vergangenen Jahr wurden Neufahrzeuge im Wert von rund neun Milliarden Euro an private und gewerbliche Kunden verleast oder finanziert. Dazu nutzen wir auch Kreditlinien, teilt die Bank mit. Bei einem Leitzins von einem Prozent und einem Festzinskonto ab drei Monate für 1,10 Prozent bis zu sechs Jahre für aktuell 3,0 Prozent ist das sogar noch günstiger als die Refinanzierung über Spareinlagen.
ABS-Transaktionen sind bei der komfortablen Liquiditätsausstattung derzeit kein Muss: "ABS-Transaktionen sind eine Refinanzierungsmöglichkeit, die wir früher schon genutzt haben und auch zukünftig wieder nutzen könnten". Assetbasierte Finanzierungen sind durch Vermögenswerte – in diesem Fall Autos – gesichert und gelten als risikolose Vermögensanlage. In Krisenzeiten sind solche Anlagemöglichkeiten gesucht. Die Autobanken haben also noch eine Option offen.
Der Autohandel sollte sich daher wegen einer Kreditklemme nicht bange machen lassen – ganz im Gegenteil: Geld ist genug da, die Zinsen sind auf einem Tiefstand, die Kapitalkosten für die Banken gehen nahe Null. Solange die Anleger ihr Sparvermögen bei der Autobank parken, ist die Vorfinanzierung von Fahrzeugen und die Kreditvergabe durch Autobanken kein Problem. Kritisch wird es erst bei einem Bank-Run – also dann, wenn alle Sparer sofort ihre Einlagen wieder ausgezahlt haben wollen. Doch dieses Szenario ist ebenso unwahrscheinlich wie ein weltweiter Absatzeinbruch in der Autobranche. (Foto: Fotolia)