Hamburg. Ein gewisser Dünkel ist manchem Porsche-Verkäufer nicht fremd. Schon gar nicht in der Hansestadt Hamburg. "133.603 Euro für einen Viersitzer wird nicht jedes Budget hergeben", prognostizierte ein Vertriebsexperte der schwäbischen Sportmarkenmarke Ende Juni bei der Präsentation des 480 PS starken Porsche 911 Turbo an der piekfeinen Elbchaussee. "Aber für Sportwagenfans, die gesetzlich versichert und betont preisbewusst sind, bringen wir mit dem Zweisitzer Cayman ja bald ein echtes Kassenmodell."
"Kassen-Cayman" für Kostenbewusste
Das war natürlich nur scherzhaft gemeint. Auf Krankenschein gibt es ihn nicht, den Porsche Cayman, der seit vorgestern (29.7.) in den Schauräumen steht. Doch kostet das vom Boxster (Typ 987) abgeleitete Coupé mit einem Einstiegspreis von 47.647 Euro lediglich ein gutes Drittel der 911-Topversion. Und stellt mit seiner Serienausstattung, die unter anderem Alcantara-Sitze, Pedalerie in Sportoptik und einen sonor röhrenden Sechszylinder-Boxermotor mit 2,7 Liter Hubraum umfasst, den vom Porsche-Virus Befallenen bereits eine akzeptable Grundversorgung in Aussicht.
Mit "nur" 245 PS nimmt sich der Basis-Cayman gegenüber dem 911 Turbo zwar gerade mal wie ein Halbstarker aus. Verglichen mit dem 295 PS leistenden Cayman S allerdings -- den "grossen Bruder" hatte Porsche bereits auf der IAA 2005 vorgestellt -- fällt der Verzicht auf 50 PS und 700 Kubikzentimeter kaum ins Gewicht. Zumal der Cayman mit 1,3 Tonnen Leergewicht 50 Kilogramm weniger wiegt als sein "S"- Pendant.
Mit dem serienmässigen Fünfgang-Schaltgetriebe erreicht der Cayman eine Höchstgeschwindigkeit von 258 km/h. Ausgestattet mit der 2575 Euro teuren Automatik namens Tiptronic S sind 253 km/h möglich. Und beim Spurt von null auf Tempo hundert vergehen lediglich 6,1 Sekunden (Tiptronic S: 7,0). Das sind Werte, mit denen der 4,34 Meter lange Hecktriebler Konkurrenten wie den Audi TT 3.2 V6 (250 PS) und das Z4 3.0si Coupé von BMW (265 PS) nicht fürchten muss.
Rund 15.000 Einheiten der Baureihe Cayman hofft Porsche im kommenden Geschäftsjahr, das am 1. August beginnt, weltweit absetzen zu können. Eine Besorgnis erregende Kannibalisierung mit dem ab 77.923 Euro erhältlichen Porsche 911 Carrera sieht der Hersteller nicht: Allenfalls drei Prozent der Elfer-Interessenten, schätzen die Porsche-Marktbeobachter, ziehen bei der Bestellung dann doch einen Cayman vor.
Und wenn schon: Wie die Erfahrung mit dem 58.551 Euro teuren Cayman S nahelegt, wird auch das Gros der Cayman-Käufer mit einer Reihe kostspieliger Extras den Neuwagenpreis kräftig nach oben treiben. Bi-Xenon-Scheinwerfer (1032 Euro), Bose-Soundsystem (1259 Euro) oder Sport-Abgasanlage (1496 Euro) -- die Liste der Zusatzausstattungen erstreckt sich über 32 Seiten.
Für einen Aufpreis von nicht weniger als 3352 Euro und 40 Cent können Cayman-Kunden ihren Flitzer gar mit 19-Zoll-Schmiederädern in der Art der Serienfelgen des Porsche 911 Turbo ausrüsten. Jedwede Hänselei von wegen Kassen-Cayman wäre damit wohl erledigt.