München. "Für 70.000 Euro kannst Du sie haben", sagt Karl Geiger und legt zufrieden den Hörer auf. "Wieder eine Corvette verkauft", freut sich der stämmige Autohändler. Obwohl Geiger rund 150 Autos der 50.000-Euro-plus-Kategorie auf seinem weitverzweigten Firmengelände im Münchner Osten stehen hat, fehlt ihm jegliches Premium-Gehabe. Der gebürtige Südbadener empfängt seine Kunden im leicht verwaschenen Harley-Davidson-Sweatshirt in einem engen Büro, das stapelweise Prospekte amerikanischer Auto-Saurier und einige rote Nummernschilder beherbergt. "Manche Leute sind zu Beginn schon misstrauisch, ndoch schließlich muss ich auch mal beim Autoputzen oder Schrauben mit anpacken. In Hemd und Krawatte geht das nicht", erklärt Geiger mit badischem Akzent. Obwohl Geigercars Vertragshändler für Hummer und demnächst auch für Cadillac und Corvette ist, warten die teuren Autos im Freien und nicht in schicken "Experience Centern" auf Kunden. "Kroymans hat das zwar bei mir auch versucht, doch ich habe ihnen bewiesen, dass es auf meine Art genauso gut geht", erzählt Geiger.
Karls kurioses Kraftwagen-Kabinett
In guten Zeiten verkauft Geigercars 50 Hummer in zehn Wochen. "Das geht nur, wenn man das Thema auch lebt", weiß Geiger. Der gelernte Kfz-Mechaniker veranstaltet beispielsweise den "Hummer World Run". Zum "Wühlen in der Kiesgrube" (Geiger) kamen nicht nur 150 der ursprünglich als Armeefahrzeug konzipierten Geländewagen, sondern auch rund 12.000 Zuschauer. Selbstredend fährt Geiger privat ebenfalls Hummer, bietet Umrüstungen auf Gas an und entwickelt pompöses Tuning-Zubehör wie 28-Zoll-Räder. "Niemand weiß, wie der dafür eine TÜV-Genehmigung bekommen hat", unkt ein Händlerkollege - doch Geiger hat sie. Bernhard Hemmerle, Chrysler-Händler unweit von Geigercars, attestiert "dem Geiger Karl", dass "er sich nicht in Normen pressen lässt".
Doch auch Geiger muss manchmal einem Trend folgen: "Wir planen derzeit einen Neubau mit großem Showroom", sagt er. In der Truderinger Straße, umgeben von Gebrauchtwagenhändlern, die ihre Autos vorwiegend nach Osteuropa und Afrika verkaufen, sei es zu klein geworden. Seit 30 Jahren importiert, verkauft und repariert Geiger unter dieser Adresse ausschließlich US-Autos. Einst war er nach seiner Lehre aus einem Dorf bei Lörrach nach München gekommen, um in einer Mercedes-Werkstatt zu arbeiten. "Nebenbei habe ich an allen möglichen Autos geschraubt. Als mir eine Corvette in die Finger kam, gab es für mich nur noch eines", erzählt Geiger. Nach einem halben Jahr Lkw-Schrauberei machte sich der Jungmechaniker selbstständig.
Wichtig ist dem Unternehmer ein umfangreiches Angebot an Nischenmodellen. "Mit Trend-Autos kann man Geld verdienen, der Rest geht nur über den Preis", erklärt Geiger. So hat Geigercars 38 Exemplare des begehrten Ford GT verkauft - von diesem Modell hatte der Hersteller offiziell nur 17 Exemplare nach Deutschland gebracht. Das passende Tuning-Angebot hat Geiger ebenfalls parat. An einem Chrysler 300C bleibt dagegen kaum etwas hängen. "Der kostet als SRT-8 66.000 Euro, wir bieten ihn für 47.000 Euro an", sagt Geiger. Dann rollt ein Hummer auf den Hof, dem eine elegant gekleidete Dame entsteigt. Geiger begrüßt die Kundin freundlich - im Schlabberpulli.