Herr Willisch, welche Rolle spielt Kalifornien für BMW in den USA und im Rest der Welt?
Welt? Kalifornien ist für uns die bedeutendste Absatzregion in den USA. Wir werden an der Westküste in diesem Jahr mehr Autos verkaufen als jeweils in den drei anderen Vertriebsregionen, in die wir die USA aufgeteilt haben. Auch global gesehen ist Kalifornien mit etwa 100.000 verkauften Fahrzeugen in diesem Jahr in etwa so bedeutend wie beispielsweise Spanien, Italien und Frankreich zusammen. Nicht von ungefähr sitzen hier 96 unserer 360 US-Händler. Der durchschnittliche BMW-Dealer verkauft im Jahr etwa 1000 Autos. Hier verkaufen viele Vertriebspartner zwischen San Diego und Sacramento das Dreioder Vierfache. Aber es sind nicht nur die Zahlen, die für das Land sprechen, sondern auch der Modellmix: Der Anteil an Siebener und Sechser, X5 und X6 und den M-Modellen ist hier größer als anderswo. Auch das ist ein Grund, weshalb der unlängst beschlossene X7 hier gut in den Markt passen wird.
Die Lust an Luxus und Leistung mag ein Segen sein. Aber ist Kalifornien als Vorreiter für alternative Antriebe nicht auch ein Fluch, der Sie Milliarden für die Entwicklung kostet?
Natürlich beeinflussen Märkte Produktentscheidungen wie die Entwicklung der i-Modelle. Aber wir sehen Kalifornien als einen Schrittmacher und Impulsgeber für neue Technologien, die wir global brauchen.
Wenn die i-Modelle schon von Kalifornien mit initiiert waren, kommen Sie dann hier wenigstens auch gut an?
Wir sehen an der Westküste den gleichen Enthusiasmus für die BMW i-Modelle wie für all unsere anderen Baureihen. Von den bislang 4000 in den USA verkauften i3 zum Beispiel haben mehr als 40 Prozent ein Nummernschild aus Kalifornien. Und der i8 ist bis weit ins nächste Jahr ausverkauft und so begehrt, dass ich von Geschäftspartnern angesprochen werde, ob wir bei der Zuteilung nicht noch ein bisschen was für sie deichseln könnten.
Wenn man all diese Faktoren zusammennimmt, was macht für Sie die Bedeutung Kaliforniens aus?
Kalifornien ist ein Treiber für Umsatz und Absatz, aber auch für neue, umweltfreundliche Antriebstechnologien. Und obendrein ist es ein Bundesstaat mit einer ausgeprägten Car Culture. Die Kalifornier kaufen nicht nur gerne teure und leistungsstarke Autos, sondern wissen auch, diese zu genießen. Das hilft uns natürlich.
Gibt es dann trotzdem noch etwas, was Sie an Kalifornien stört?
Das Wetter (lacht). So angenehm die Bedingungen dort zum Leben auch sein mögen, sind sie für einen Autoverkäufer Gift: Die Fahrzeuge halten bei dem trockenen, milden Klima einfach zu lang.