München. Industrie 4.0 bietet auch in der Automobilindustrie großes Potenzial. Für die Branche errechnete das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation ein zusätzliches jährliches Plus der Bruttowertschöpfung von 1,53 Prozentpunkten bis 2025 durch Industrie-4.0-Technologien. Das ist etwas weniger als jene 1,7 Prozent, die im Durchschnitt der sechs wichtigsten deutschen Wirtschaftsbereiche erzielt werden sollen.
Unsicherheit entsteht, weil noch keine klare Definition von Industrie 4.0 existiert und Standards fehlen. Michael Wulf, Leiter des Competence Centers Manufacturing Execution Systems bei Hella bemängelt denn auch vorsichtig, die Begriffsdefinition sei „mit einer gewissen Unschärfe behaftet“. Vereinfacht gesagt geht es um vernetzte Automation, kombiniert mit „Intelligenz“ in Anlagen und Teilen oder Werkstücken. Das Schlagwort dazu lautet: Cyber-Physical Systems. Das Ergebnis soll eine optimierte Steuerung der verschiedensten Prozesse sein, die für höchste Effizienz und Flexibilität sorgt.
Zudem sind die Begriffe „4.0“ und „Revolution“ auch ein wenig irreführend, weil die Entwicklung zur Industrie 4.0 schon seit Jahren kontinuierlich läuft und nun durch Fortschritte in IT und Sensorik lediglich einen enormen Schub erhält.
Um die Potenziale voll ausschöpfen zu können sind zudem neue Industriestandards und Rahmenbedingungen nötig. An Definitionen und Standards arbeiten Verbände zwar derzeit, aber parallel entwickeln Unternehmen eigene Lösungen. „Im Hinblick auf Industrie 4.0 arbeiten wir verstärkt an konzernweiten Standards für unsere Steuerungssysteme. Nach Umsetzung auf der Fabriksteuerungsebene wollen wir jetzt die Shopfloor IT standardisieren“, erläutert Lars Bäumann, der in VW-Konzern-IT für Produktions- und Logistik-Systeme verantwortlich ist.
Otto Schell, im Vorstand der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) für Branchen/Geschäftsprozesse zuständig, erklärt: „IT und Industrie werden durch Industrie 4.0 zweifelsohne weiter stärker zusammenwachsen, mit der Konsequenz, dass sich neue Businessmodelle, Prozesse und Services ergeben werden.“ Der Opel-Manager betont weiter: „Das Thema ‚Sicherheit‘, das im Zusammenhang mit Cloud-Computing und der NSA-Affäre in den Fokus des Interesses gerückt ist, zeigt eines deutlich. Es sind noch längst nicht alle Rahmenbedingungen gesetzt.“