Herr Asgari, Sie haben Ihre Diplomarbeit zum Thema Veränderung der Unternehmenskultur geschrieben. Haben Sie sie in den vergangenen Monaten aus der Schublade geholt?
Ich habe sie nochmal sehr intensiv angeschaut. Es ist 17 Jahre her aber die Grundsätze sind ja doch in den meisten Unternehmen ähnlich. Mir hat es geholfen.
Macht es zurzeit Spaß, beim ADAC für Tests zuständig zu sein?
Ja, natürlich. Mich interessiert vor allem das Thema als solches und nicht so sehr die momentane Darstellung in der Öffentlichkeit. Wobei es mich aber schon ärgert, wenn die Glaubwürdigkeit eines ganzen ADAC-Bereichs infrage gestellt wird, nur weil ein ehemaliger Mitarbeiter Zahlen verdreht hat. Die Kollegen, die in unserem Technikzentrum in Landsberg arbeiten, haben den höchsten Anspruch – an sich selbst und die Qualität ihrer Arbeit. Deswegen geben wir zum Beispiel allein für den Kindersitztest mehr als eine halbe Million Euro aus.
Ihr jüngster Test zum Gebrauchtwagenhandel wurde rasch kritisiert. Ist das neu für Sie?
Das gab es früher auch schon, wenn auch nicht so vehement. Ich verstehe darüber hinaus die Kritik von ZDK und BVfK bei dieser Stichprobe nicht. Früher hätten wir die Namen der 36 getesteten Betriebe veröffentlicht. Das machen wir heute nicht mehr, da es nichts zu unserer eigentlichen Aussage beiträgt.
Welche Aussage ist das?
Uns ging es beispielsweise darum aufzuzeigen, ob es einen generellen Unterschied zwischen Herstellerprogrammen und unabhängigen Händlern gibt. Und darum, unseren Mitgliedern zu sagen, worauf sie beim Gebrauchtwagenkauf achten sollten. Das ist in erster Linie ein Service für unsere Mitglieder und weniger Kritik an der Branche.
Früher haben sie oft kleine Stichproben gemacht. Werden Sie daran etwas ändern?
Ja, wobei es auf die Zielsetzung der Untersuchung ankommt. Wenn es darum geht – Stichwort "Werkstatttest" –, dem Verbraucher eine Einschätzung an die Hand zu geben, welche Marke besser als eine andere ist, dann muss die Stichprobe deutlich größer sein als bisher. Wenn es aber darum geht, dem Mitglied zu sagen, worauf er ganz allgemein achten sollte, reicht auch eine geringere Fallzahl.
Was heißt das für den Werkstatttest?
Es könnte zum Beispiel so sein, dass wir künftig eine Aussage darüber treffen, ob Markenwerkstätten allgemein besser sind als freie und zusätzlich die freien Werkstattkonzepte untereinander vergleichen. Ein Ranking der einzelnen Markenwerkstätten ist wenig sinnvoll, denn wer einen Audi hat, fährt normalerweise nicht in eine BMW-Werkstatt. Aber wer sich für eine freie Werkstatt entscheidet, sollte wissen, welches Konzept welche Vor- und Nachteile hat.
Das heißt, die Aussage "Das ist Deutschlands beste Werkstatt" wird es nicht mehr geben?
Davon gehe ich aus. Wir haben in der Vergangenheit gelegentlich Fehler gemacht, weil wir zu schnell aus kleinen Stichproben generell abgeleitet haben.
Steht der Werkstatttest auch insgesamt infrage?
Er wird genauso kritisch überprüft wie viele andere ADAC-Aktivitäten. Hinzu kommt, dass es beim Werkstatttest einen Interessenkonflikt gibt. Auch wenn wir keine eigene Werkstattkette aufbauen möchten, nennen sich bundesweit doch inzwischen acht Betriebe ADAC-Werkstätten. Damit sind wir Marktteilnehmer und können nicht einfach weitertesten wie bisher. Darum gibt es dieses Jahr auch keinen Werkstatttest. Und für die Zukunft müssen wir uns entscheiden: Entweder geben wir die Werkstätten auf oder unseren Test.
Was wird es sein?
Das ist vollkommen offen. Viele Verbände und Hersteller sähen es natürlich gerne, dass wir uns prinzipiell gegen die Werkstätten entscheiden. Aber auch die Betriebe haben ihre Berechtigung. Mit den langfristig geplanten 150 Werkstätten würden wir keine Kette aufbauen, aber durch Standards und Qualifizierung etwas für die Qualität und damit für unsere Mitglieder tun, die im Pannenfall dort betreut werden. Die entscheidende Frage für uns lautet deshalb: „Was ist besser für unsere Mitglieder und die Verbraucher?“
Werden Sie mehr Geld ausgeben oder Tests streichen, um die Fallzahlen erhöhen zu können?
Wir überlegen in beide Richtungen, diskutieren im Moment aber vor allem über Themen.
Welcher Test könnte gestrichen werden, welcher ist unantastbar?
Kindersitz-, Reifen- oder Crashtests sind zum Beispiel für die Verbraucher so relevant, dass sie mit ziemlicher Sicherheit bleiben werden. Allein anhand der Ergebnisse des Reifentests treffen Millionen Menschen eine Kaufentscheidung.
Auch die Gelben Engel waren wegen Batterieverkäufen in der Kritik. Ist das Vertrauen auf der Straße wieder da?
Die Gelben Engel auf der Straße haben zum Glück nur in absoluten Ausnahmefällen den Zorn der Mitglieder abbekommen. Es gab auch lediglich knapp 80 Reklamationen von Kunden, die bei uns eine Batterie gekauft hatten. Aber auch hier haben wir reagiert: Unsere Straßenwachtfahrer können in Zukunft die Ergebnisse des Batterietests vor Ort ausdrucken und dem Mitglied aushändigen. Damit hat das Mitglied volle Transparenz und Übersicht. Zusätzlich geht eine Ausfertigung in unsere Akten, damit wir das rückwirkend auch noch sauber nachvollziehen können.
Stehen die Assistenzverträge mit Herstellern zur Diskussion?
Grundsätzlich werden alle Produkte und Leistungen im Rahmen des Reformprogramms überprüft. Die Medienvorwürfe, wir würden unsere Mitglieder benachteiligen, haben wir sofort geklärt. Eindeutiges Ergebnis: Es gab keine Bevorzugung von Assistance-Kunden vor ADAC-Mitgliedern.
Sie würden ein großes Auftragsvolumen verlieren, oder?
Volumen steht für uns in der Kooperation mit Herstellern nicht im Fokus. Assistance-Fälle machen aktuell etwa drei Prozent der Hilfeleistungen auf der Straße aus – wir reden über etwa 140.000 von 4,2 Millionen Fällen. Viel wichtiger ist für beide Seiten der Austausch von Informationen zum Fahrzeug. Dadurch bekommen die Hersteller zeitnah Rückmeldungen zum technischen Stand ihrer Modelle im Einsatz und unsere Straßenwacht hat die neuesten Informationen für die Pannenhilfe.
Sie werden im Dezember bekanntgeben, wie der ADAC umgebaut werden soll. Reicht die Geduld der Mitglieder so weit?
Unsere Mitglieder wissen sehr genau, dass die Neuausrichtung des ADAC Zeit braucht und erwarten zurecht von uns eine saubere Aufarbeitung. Den meisten von ihnen geht es darüber hinaus in erster Linie um Leistungen wie Pannenhilfe oder Krankenrücktransport. Und die funktionieren nach wie vor hervorragend.
Bis Mai hat Sie die Krise 320.000 Mitglieder gekostet. Ist die Austrittswelle damit vorbei?
Die größte Welle scheint vorbei, ihre Auswirkungen jedoch noch nicht. Einige Kündigungen werden erst in den nächsten Monaten wirksam. Wir hoffen, zum Jahresende bei plus/minus null zu liegen. Vielleicht aber auch leicht darunter, da wir die Mitgliederwerbung reduziert haben. Und das Ziel von 20 Millionen Mitgliedern bis 2020 steht bei uns nicht mehr im Vordergrund.
Was bleibt von der Reform unangetastet?
Hilfeleistungen wie Pannenhilfe, Luftrettung oder Ambulanzservice als originäre Kernleistungen des ADAC sind gesetzt. Ebenso die Organisationsform des Vereins sowie unsere Versicherungen, die einen wesentlichen Beitrag zur Hilfe für unsere Mitglieder erbringen. Alles andere steht auf dem Prüfstand.