Stuttgart. Bei Renault, Vorreiter der Antriebs- Elektrifizierung, wurde bereits 2008 ein E-Antrieb-Entwicklungsteam gebildet, in dem inzwischen rund 2000 Ingenieure arbeiten. Laut Renault sind dort zahlreiche neue Kompetenzen gebündelt – anders wäre die Entwicklung einer Wärmepumpe für den automobilen Einsatz oder von speziellen Reifen für Elektrofahrzeuge gar nicht möglich gewesen. Ralf Schmid, Leiter Forschung und Entwicklung des Bereichs Hybrid Electric Vehicle der Powertrain- Division beim Zulieferer Continental, sagt, neue Herausforderungen für die Ingenieure seien vor allem die „elektromagnetische Verträglichkeit sowie elektrische Spannungen größer als 300 Volt“. Auch in der magnetischen Berechnung und Auslegung von E-Maschinen stecke noch Potenzial, ebenso in der Integration der Leistungselektronik in die elektrische Maschine. Martin Arlt, Leiter Planung und Steuerung des Project i von BMW, sieht ebenfalls neue Anforderungen an Entwickler: „Leichtbauund Integrationskompetenz von vielen elektronischen Komponenten in einem Bordnetz sind essenziell.“ Einfacher wird es mit dem neuen Antrieb also gewiss nicht.
Integration als neue Schlüsselkompetenz
Etliche Elektroauto- Typen sind schon auf den Straßen, und da der Hochvolt-Antrieb häufig unter konventionellen Karosserien steckt, wirkt es, als sei die Technik nichts Besonderes. Tatsächlich jedoch erfordert ein E-Mobil gerade für Entwickler und Ingenieure eine neue Herangehensweise. "Ein optimierter Elektroantrieb entsteht nur durch eine ganzheitliche systemische Betrachtung – dem Zusammenspiel von Fahrzeugsteuerung, E-Maschine, Leistungselektronik, Fahrdynamik- und Bremsregelsystem, Batterie und Navigation sowie der Ladetechnologie, wodurch nicht nur die technische Komplexität, sondern auch die Anforderungen an die Entwickler steigen“, sagt Harald Straky, Senior Manager Engineering Software und System bei Bosch. Dies gelte besonders bei der Entwicklung von Mehrmotorenkonzepten.