München. Die Fuhrparks anderer Mordkommissionen im TV sind deutlich näher an der Wirklichkeit. Deutsche Marken bestimmen die Filmszenerie. Im Lambo rast höchstens mal ein arabischer Prinz durch die Stadt, wie in der Folge „Wüstensohn“ des Münchner „Tatort“. Die ermittelnden Hauptkommissare indes fahren immer aktuelle BMW-Modelle – eine „unentgeltliche Produktionshilfe“ des Herstellers ohne Anspruch auf Gegenleistung. Laut Rundfunkstaatsvertrag vom April 2010 ist in ARD und ZDF auch gar nichts anderes erlaubt. „Requisitenfahrzeuge dürfen aus ausschließlich inhaltlichen Gesichtspunkten eingesetzt werden“, erklärt Rainer Stumpf vom ZDF, wo Krimireihen wie „Ein starkes Team“, „Unter Verdacht“ oder „Kommissarin Lucas“ laufen. Echtes Product-Placement mit entsprechender Inszenierung ist demnach nur den Privatsendern gestattet. Die RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ ist daher ein Glücksgriff für BMW: Seit 18 Jahren mehren die Autobahncops mit waghalsigen Verfolgungsjagden und actiongeladenen Feuerstunts den Ruhm des BMW Dreier. Dass pro Staffel in der Regel 20 Wagen reif für die Karosseriewerkstatt oder die Schrottpresse sind, nimmt man beim Hersteller billigend in Kauf. Für die Autoindustrie ist die Präsenz in beliebten TV-Serien extrem wichtig. Schließlich sollen die Marken als Teil der Lebenswirklichkeit wahrgenommen werden. Und da macht es einen großen Unterschied, dass Bella Block im VW Cabrio zur Zeugenbefragung hetzt und nicht in einem Mini. Für solche Deals nehmen es die Unternehmen sogar hin, dass in ARD und ZDF (anders als im Kinofilm) auch mal ihr Markenlogo retuschiert wird und so mancher Kameraschwenk auf den Mercedes-Stern oder die wagentypische Silhouette unterbleibt. Denn wenn etwa die Münchner Sympathieträger Batic und Leitmayr in ihren Dienstwagen steigen, sehen regelmäßig zehn Millionen Menschen zu. Das lässt sich kaum in Gold aufwiegen. „BMW gehört einfach in das Stadtbild von München“, heißt es aus dem Vierzylinder. „In diesem Umfeld fügen sich die Fahrzeuge besonders authentisch und natürlich ein.“ Batic und Leitmayr stehen damit in der Tradition von Kommissar Derrick. Dessen Tränensäcke inspirierten 1998 sogar einen Motorjournalisten, den damals neuen Siebener wegen seiner Scheinwerfer „Modell Derrick“ zu taufen, was man bei BMW begrenzt komisch fand.
Ins rechte Licht gerückt
„In der Regel fragten die Sender oder Produktionsfirmen bei BMW an“, erklärt eine Sprecherin und verweist auf den guten Ruf des Hauses bei Filmschaffenden. Meist hätten die Produzenten eine gewisse Vorstellung, um welche Marke und welches Modell es sich handeln soll. Ähnlich sieht es beim Autobauer Daimler aus, der unter anderem den Fuhrpark für den „Tatort“ vom Bodensee stellt. „Auf das Drehbuch nehmen wir keinen Einfluss. Wichtig ist uns, dass der Einsatz der Fahrzeuge nicht gegen unsere Markenwerte wie zum Beispiel Sicherheit verstößt“, so ein Sprecher. Und nach dem Dreh? Kommen die Fahrzeuge wieder zurück in den Fuhrpark des Herstellers und werden durchgecheckt. Sofern sie keine Schäden oder nicht zu viele Kilometer aufweisen, werden sie dann der nächsten Produktion zur Verfügung gestellt.