Martorell. Die aktuellen Zahlen geben ihm recht. Vor allem dank des neuen Leon steht Seat mittlerweile wieder besser da: In Europa haben die Spanier im ersten Halbjahr um 10,6 Prozent zugelegt, während der Gesamtmarkt um 6,6 Prozent gefallen ist. Daheim konnten sie die Marktführerschaft sichern und den Absatz in einem um rund fünf Prozent schwächeren Markt um 8,2 Prozent steigern. In Deutschland sieht Stackmann gar „eine ganz besondere Erfolgsgeschichte“ von Seat: Dort haben die Spanier im ersten Halbjahr 30 Prozent mehr Autos verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und es unter die zehn größten Marken geschafft. Der Marktanteil wuchs von 1,9 auf 2,8 Prozent, berichtet Stackmann: „Das ist mittlerweile unsere zweite Heimat.“ Aber selbst wenn alle Indikatoren aufwärts weisen, scheut Stackmann eine Prognose zur wirtschaftlichen Zukunft: „Wann Seat wieder schwarze Zahlen schreibt, kann ich nicht sagen.“ Ein Auto, das Seat diesem Ziel auf jeden Fall wieder ein Stück näher bringen soll, ist der neue Leon ST, der auf der IAA enthüllt wird und zum Jahreswechsel in den Handel kommt. „Damit starten wir zum ersten Mal im Segment der kompakten Kombis und zielen auf einen Markt, der in Europa für 500.000 Autos im Jahr steht“, sagt Stackmann über den eleganten Bruder des Golf Variant. Stackmann sieht in der neuen kompakten Leon-Familie „die zweite tragende Säule neben dem Ibiza in unserem Modellprogramm“. Er würde die Familie gern ausbauen, nicht nur mit der bereits beschlossenen Sportversion des Leon Cupra, sondern vor allem mit einem kleinen Geländewagen, den schon sein Vorgänger James Muir wollte. „Das ist eines der attraktivsten Segmente. Da würden wir gerne mitspielen“, sagt Stackmann, muss aber mit Blick nach Wolfsburg noch um Geduld bitten: „Entschieden ist da noch nichts.“ Jürgen Stackmann setzt – anders als Muir – weniger auf die Eroberung neuer Märkte wie China, sondern sieht das Kerngeschäft von Seat weiterhin in Europa. „Hier gibt es noch genügend Potenzial, das wir bislang nicht ausgeschöpft haben“, sagt der Seat- Präsident und fügt hinzu: „Hier gibt es genügend Luft für Seat, um sich im Mittelfeld des Marktes zu behaupten.“
Ich sehe mich nicht als Sanierer
Tiefrote Zahlen, negative Schlagzeilen, hohe Schulden und mehr Chefwechsel als jede andere VW-Marke – es gibt im größten Automobilkonzern Europas wahrlich begehrtere Arbeitsplätze als den Vorsitz bei Seat. Doch nach seinen ersten 100 Tagen auf diesem Feuerstuhl in Martorell macht Jürgen Stackmann alles andere als einen unglücklichen Eindruck: „Ich bin froh hier zu sein und komme zu einer guten Zeit“, sagt der neue Seat-Chef. „Das Plateau, auf dem wir stehen, ist breit, die Substanz ist gut, und mit dem neuen Leon haben wir bewiesen, das Seat gute Autos zeichnen, bauen und verkaufen kann“, gibt er sich zuversichtlich. „Ich sehe mich deshalb auch nicht als Sanierer“, sagt Stackmann. Er gibt den Antreiber und Motivator: „Wir müssen unser Profil schärfen und unsere Stärken bekannter machen.“