Krefeld. Die europäische Interieurbranche ist um einen Wettbewerber reicher. Sein Name: IAC Europe mit Firmensitz in Krefeld. Im Oktober 2005 riefen der Milliardär Wilbur Ross mit seinem Unternehmen WL Ross & Co. und der Finanzinvestor Franklin Mutual Advisers den Zulieferer International Automotive Components (IAC) ins Leben, um die europäischen Geschäftsbereiche des US-Unternehmens Collins & Aikman zu erwerben. Im März 2006 war der Deal perfekt und die europäische Abteilung der IAC Group geboren. Sieben Monate später kaufte IAC Europe die europäische Interieur-Sparte des US-Zulieferers Lear Corporation.
IAC Europe in Angriffslaune
Die IAC Group, deren Umsatz im Jahr 2007 bei etwa 5,4 Milliarden Dollar liegen wird, will in Europa nicht nur organisch, sondern langfristig auch durch Zukäufe wachsen, erläutert Vorstandschef Jens Höhnel. Für IAC Europe erwartet der ehemalige Collins&Aikman-Manager in diesem Jahr einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro.
Für die Zukunft ist Höhnel sehr optimistisch. Das Unternehmen befinde sich in den nächsten Jahren in einer "fantastischen" Position, freut sich der 59-Jährige. In den nächsten drei Jahren erwartet er ein organisches Umsatzwachstum auf 1,5 Milliarden Euro. Danach will IAC Europe zukaufen. Das Ziel von Wilbur Ross sei es, mithilfe des europäischen IAC-Ablegers ein globales Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen zwölf und 15 Milliarden Dollar zu schaffen.
Höhnel rechnet damit, dass dieses Wachstum von einem Konsolidierungsprozess in der Zulieferindustrie und speziell im Interieurbereich begleitet wird. "Es gibt Überkapazitäten von 20 bis 30 Prozent in den Bereichen, in denen wir agieren", so der Manager.
IAC Europe ist mit insgesamt 22 Werken und 6700 Mitarbeitern in Deutschland, Großbritannien, Belgien, Polen, Schweden, der Slowakei, Spanien, Tschechien und in den Niederlanden vertreten. Höhnel hat angekündigt, die Fertigung künftig verstärkt in Niedriglohnländer zu verlagern.
Ein weiteres Ziel ist, die Geschäftsbeziehungen zu den japanischen Autoherstellern zu verstärken. "Hier sind wir noch zu schwach", bedauert Höhnel. So hat IAC das Unternehmen Mitsuboshi Kaseihin erworben, einen der größten unabhängigen Interieur-Zulieferer Japans. Mitsuboshi verfügt über drei Werke in Japan und produziert Teile für die Autohersteller Toyota, Lexus, Nissan, Honda und Mitsubishi sowie für den Zulieferer Calsonic Kansei. "Für uns ist das ein Türöffner", sagt Höhnel über den Zukauf. Auch IAC Europe profitiere bereits von den neu gewonnen Kontakten. So habe das Unternehmen einige Aufträge von japanischen Autobauern bekommen. Konkreter will Höhnel allerdings nicht werden.
Ein weiterer Fokus von IAC Europe liegt auf dem russischen Markt. Derzeit strebt man eine Zusammenarbeit mit einem russischen Zulieferer an, um in einem zweiten Schritt auf die russischen Autobauer zugehen zu können.