Wien. Die Lohnkosten in Österreich sind kaum niedriger als in Deutschland, über 90 Prozent der Produktion der Automobilindustrie werden exportiert – und den größten Teil ihrer Zulieferungen beziehen die Großen der Branche aus dem Ausland. Warum erweitern sie trotzdem kontinuierlich die Entwicklungs- und Produktionskapazitäten im Land? Gerhard Wölfel, Chef des 1979 gegründeten BMW-Motorenwerks im oberösterreichischen Steyr, betont: „Ausschlaggebend für die Standortentscheidung waren das in der Region vorhandene Knowhow im Engineeringbereich und im Motoren- und Fahrzeugbau, das große Potenzial an gut ausgebildeten Fachkräften sowie die geografische Nähe zu den BMWFahrzeugwerken in Deutschland.“
Die Qualifikation der Mitarbeiter schlägt sich messbar nieder. So sagt eine Sprecherin von Bosch Austria: „Österreichs Industrie konnte in den vergangenen Jahrzehnten die höchsten Produktivitätssteigerungen erzielen – wodurch der Anstieg der Arbeitskosten mehr als ausgeglichen wurde.“ Das unterstreicht auch Rudolf Hamp, scheidender Generaldirektor des GM-Motoren- und Getriebewerks in Aspern: Das Ergebnis der guten Ausbildung sei „eine hohe Produktivität und Qualität“. Niedrig ist jedoch der Local Content, also jener Anteil der Zulieferungen, die in Österreich produzierende Unternehmen vor Ort beziehen. Bei Bosch Austria liegt diese Quote unter 14 Prozent.
Die BMW Motoren GmbH nennt nur absolute Zahlen: Mehr als 40 österreichische Unternehmen liefern Teile für die Motorenfertigung. Die meisten Teile kommen aus Deutschland. GM nennt keine Zahlen zum Local Content. Zunehmend interessant wird Österreich auch mit Blick auf die sich entwickelnden Märkte im Osten. Werksleiter Wölfel: „Oberösterreich ist mehr denn je die geografische Drehscheibe zwischen West und Ost. Diesen Vorteil muss man nutzen.“ Klaus Huttelmaier, Vorstand von Bosch Austria, ergänzt, wichtig sei auch Österreichs „Kompetenz als Dienstleistungszentrum mit exzellentem Osteuropa-Know-how in den verschiedensten Bereichen“.