Wolfsburg. Die anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen VW und Großaktionär Porsche sorgen im Topmanagement des Wolfsburger Konzerns zunehmend für Anspannung. „Es gibt inzwischen leider eine breite Verunsicherung über die Frage, wer in dem Verbund von VW und Porsche denn künftig wirklich operativ Regie führen wird“, sagte eine Führungskraft, die nicht genannt werden will, dieser Zeitung. „Es ist höchste Zeit, dass Porsche intern unmissverständlich erklärt, sich auch nach dem jetzt anstehenden Mehrheitserwerb aus dem VW-Tagesgeschäft in Zukunft möglichst herauszuhalten.“
So monieren VW-Experten neuerliche Versuche von Porsche, größeren Einfluss auf die Pricing- und Markteinführungsstrategien rund um die nächste Generation des VW Touareg zu nehmen. Das gemeinsam mit Porsche entwickelte SUV ist für 2010 geplant. Umgekehrt raunen Porsche-Insider hinter vorgehaltener Hand, dass die bei VW Nutzfahrzeuge (VWN) in Hannover gefertigten Karosserien des 2009 startenden Porsche-Coupés Panamera noch nicht der gewünschten Qualität entsprechen. VWN-Chef Stephan Schaller bleibt gelassen: „Noch fahren wir ja eine Übungsserie, die dann folgende Produktionsvorserie wird höchste Güte haben.“ Für zusätzliche Unruhe hatte jüngst ein Medienbericht gesorgt, wonach VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch insgeheim die Ablösung von Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking betreibe.
Pläne für einen Umbau an der Konzernspitze hat Porsche sogleich dementiert. Im Ringen zwischen den Arbeitnehmervertretern von VW und Porsche über die betriebliche Mitbestimmung in der Porsche-Holding ist noch keine Einigung in Sicht. Ein ursprünglich für den Mittwoch dieser Woche (10.9.) geplanter „Friedensgipfel“ unter Aufsicht der IG Metall (IGM) war zwei Wochen zuvor abgesagt worden. Für kommenden Freitag (12.9.) hat die IGM zu „einer der größten Demonstrationen in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns“ aufgerufen. Am gleichen Tag kommt der VW-Aufsichtsrat zusammen. Das Motto der Protestaktion direkt vor dem Hochhaus der VW-Konzernzentrale lautet „Volkswagen muss Volkswagen bleiben“.