Münster. Naturfasern können künftig auch im Karosseriebau eingesetzt werden, nicht nur als Dämmmaterial oder Innenverkleidungen. Das auf Lacke spezialisierte Unternehmen BASF Coatings aus Münster hat jetzt den aktuellen Stand der Entwicklung anhand eines Bio-Concept-Cars vorgestellt.
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig wurden Karosserieteile aus Naturstoffen entwickelt, die an einem für den Motorsport vorbereiteten Ford Mustang zum Einsatz kommen. Auf Basis von Flachs und Leinöl wurden Karosserieelemente wie Front- und Heckschürze, Motorhaube, Kotflügel, Türen und Heckflügel sowie Armaturentafel und Hutablage für den Mustang gefertigt. Das spart Gewicht: Die Türen etwa sind um fast die Hälfte leichter als konventionelle Bauteile aus Stahl. Eine Naturfaser-Karosserie aus Baumwolle und Harz gab es bereits beim Trabant, der "Rennpappe" aus der DDR.
Den Münsteranern gelang es, die Karosserieteile mit handelsüblichem Lack der eigenen Marke R-M auf Wasserbasis zu bearbeiten. Dieser Lack verfügt über 80 Prozent weniger Lösungsmittel als konventionelle Lacke, und bei der Produktion fallen etwa 90 Prozent weniger Abfallstoffe an. "Wir wollen bei diesem Projekt zeigen, dass Lackierungen verschiedenster Materialien mit einem nachhaltigen Lackkonzept und umweltfreundlicher Lackiertechnologie möglich sind", erklärt R-M-Verkaufsleiter Thorsten Schlatmann.
Entscheidend für das Gelingen der Lackierung ist der Anteil an Leinöl, der beim Bau der Bio-Verbundstoffe eingesetzt wird. Ist dieser zu hoch, kann es zu Problemen mit der ersten Füllerschicht kommen. BASF Coatings will mit dem Motorsportprojekt zeigen, dass die Naturstoffe selbst im harten Renneinsatz bestehen und die Lackierung auch den Ansprüchen von Sponsoren genügt.