München. Die Folgen dieses Effekts verteilen sich sehr ungleichmäßig. So werden laut IIC insbesondere die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt sinken. Im Neuwagenmarkt gleicht die zusätzliche Nachfrage durch die Carsharer den privaten Nachfragerückgang zumindest teilweise aus. Der Gebrauchtwagenmarkt kommt dagegen von zwei Seiten unter Druck: Während die Nachfrage sinkt, da viele Nutzer kein eigenes Auto mehr kaufen, steigt das Angebot, weil Nutzer ihre Autos verkaufen und auch die Carsharing- Anbieter ihre Autos nach typischerweise eher kurzen Haltezeiten auf den Markt bringen. Auch die Verteilung der Lasten zwischen Handel und Herstellern ist laut IIC asymmetrisch. Denn von der zusätzlichen Nachfrage im Neuwagenbereich profitieren vor allem die Hersteller selbst. Der Handel wird von den Aufträgen dieser Großkunden, die oft genug den Autoherstellern selbst gehören, kaum profitieren können. Ähnliches gilt für die Aftersales- Nachfrage. Die Nachfrage durch Carsharing-Anbieter wird auch hier kaum bei klassischen Autohäusern und Werkstätten landen. Den Wegfall an Privatkunden mit eigenem Auto werden diese aber zu spüren bekommen. Der ZDK geht davon aus, dass künftig auch Händler vermehrt Mobilitätsdienste wie Carsharing anbieten werden. „Gerade in den Großstädten werden mit zunehmender Verkehrsdichte alternative Mobilitätskonzepte für junge Menschen immer attraktiver“, heißt es vom Verband. „Im ländlichen Raum wird dies wohl eher nicht der Fall sein.“ Inwieweit Aktivitäten der Händler helfen können, Verluste im Handels- und Aftersalesbereich auszugleichen, wird auch davon abhängen, ob die Hersteller den Handel dabei unterstützen. Ford etwa hat vor einem Jahr ein gemeinsames Angebot mit dem Handel und Flinkster gestartet. Aktuell beteiligen sich 37 Ford-Händler mit 52 Standorten am Carsharing, Tendenz steigend.
Handel und Werkstatt
Herausforderung Carsharing
Carsharing boomt in Deutschland. Der Bundesverband der Branche, BCS, widersprach zwar kürzlich einer Studie des Wirtschaftsverbands Bitkom, der die Zahl der Nutzer in Deutschland auf vier Millionen bezifferte. Doch auch die eine Million, von der der BCS ausgeht, bedeutet seit Jahresbeginn ein Wachstum um ein Drittel. Ein Abebben des Trends ist nicht in Sicht. Für Autohandel und Werkstätten ist das keine gute Nachricht. Wenn immer mehr Menschen Autos nur noch nutzen, statt zu kaufen, sinkt der private Fahrzeugbesitz. Die Einschätzungen, wie gravierend die Auswirkungen sind, gehen stark auseinander: Während nur sieben Prozent der DriveNow- Nutzer auf die Anschaffung eines Autos verzichten wollen, geht eine aktuelle Studie der Beratung IIC Group davon aus, dass jeder zweite Carsharer künftig kein Auto mehr kaufen wird, jeder vierte wolle sogar sein bisheriges Fahrzeug verkaufen.