Lippstadt. Der Licht- und Elektronikspezialist Hella baut sein Engagement in China aus. „Im Rahmen unseres neu gegründeten Joint Ventures werden wir mehrere Werke in China bauen“, erklärte Rolf Breidenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung, der Automobilwoche. Die Hella-Tochter Hella Shanghai Electronics hatte erst kürzlich gemeinsam mit Faway, einem chinesischen Anbieter von Kfz-Teilen und Zubehör, das Gemeinschaftsunternehmen Changchun Faway Automobile Components gegründet. In Changchun sollen Beleuchtungssysteme für den chinesischen Markt entwickelt und produziert werden. Größter Kunde des mit 25 Millionen Euro Startkapital ausgestatteten Joint Ventures ist zunächst der chinesische Fahrzeughersteller FAW. Im Geschäftsjahrs 2010/2011 (endete am 31. Mai) erwirtschafteten die Lippstädter nur sechs Prozent des Umsatzes in Höhe von 4,4 Milliarden Euro in China. Vom Gesamtumsatz entfallen rund 3,2 Milliarden Euro auf das Geschäftssegment Automotive mit den Bereichen Licht und Elektronik. 1,2 Milliarden Euro wurden im Aftermarket umgesetzt.
Hella will in China mehrere Werke bauen
Der Zulieferer mit weltweit über 25.000 Beschäftigten, davon gut 10.000 in Deutschland, wird im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Rekordumsatz erzielen. Breidenbach rechnet „mit einem hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Wachstum“. Das erste Halbjahr mit einem Umsatzplus von 15 Prozent sei „extrem gut gelaufen“. Die Rendite habe sich „überproportional“ entwickelt, erklärte der Hella-Chef. „Und wir setzen weiter auf organisches Wachstum.“ Als Umsatztreiber sieht der Manager die globalen Megatrends Umwelt, Sicherheit und LED-Technologie. „LED-Scheinwerfer werden künftig vom Premium- bis zum Low-Cost-Fahrzeug eingesetzt.“ Die neue Technik werde auf allen Weltmärkten stark nachgefragt. Breidenbach rechnet damit, dass LED-Lichtsysteme in etwa vier Jahren das gleiche Preisniveau wie konventionelle Halogen-Systeme haben werden. Derzeit sind LED-Systeme noch etwa um den Faktor drei teurer.
Zu den Stärken der LEDs zählt er deren Langlebigkeit, eine gute CO2-Effizienz und mehr Designfreiheit bei der Scheinwerfergestaltung. Für 2020 hält Breidenbach weltweit eine LED-Ausrüstungsquote von 70 Prozent für möglich. Derzeit liegt diese bei unter fünf Prozent. Im noch jungen Geschäftsfeld Industries, in dem automobiles Kow-how in anderen Industrien umgesetzt werden soll, werden beispielsweise Lösungen für Straßenbeleuchtung, Flughafenbefeuerung und Personenzählgeräte entwickelt. In diesem Geschäftsfeld sollen 2011/2012 rund 30 Millionen Euro umgesetzt werden. Bei der Entwicklung dieses Bereichs gilt für Breidenbach jedoch die Maxime „Qualität vor Geschwindigkeit“.Zudem gibt es bei Hella Überlegungen, in Brasilien eine Elektronikfertigung aufzubauen. Derzeit wird der Markt noch von Mexiko aus beliefert. Darüber hinaus stehen beim Zulieferer der Ausbau der Entwicklungskapazitäten, insbesondere in China und Mexiko, und der Ausbau des Großhandelsgeschäfts in Nord- und Osteuropa auf dem Programm. „Mit unserer Netzwerkstrategie werden wir weiter fortfahren“, betont Breidenbach. Die Joint Ventures des Zulieferers trugen 2010/2011 schon etwa 1,5 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz von 4,4 Milliarden Euro bei.