Ich erinnere mich noch gut. Um den Millenniumswechsel wohnte man als Besucher der CeBIT, wenn man Glück hatte, einen Steinwurf vom Messegelände entfernt in Laatzen. Manch einer schlief zwischen Teddybären in der Dachmansarde eines Klinkerhäuschens. Nicht weil man sparen musste, sondern weil es nicht genügend Zimmer gab für fast eine Million Besucher. Mehr als 7500 Aussteller zeigten ihre Produkte und Dienstleistungen im „Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation“, kurz CeBIT. Heute ist das anders. Nur die Tagesschau berichtet noch immer so wie damals, gefühlte fünf Minuten über Frau Merkel, Herrn Ma und die „weltgrößte“ Computermesse. Als ob man in der ersten Reihe den jahrelangen Abstieg der CeBIT gar nicht mitbekommen hätte. Heute kommen vielleicht noch 200.000 Menschen zum Hermesturm. Da finden mehr Fuhrparkunternehmer den Weg zur IAA Nutzfahrzeuge. Deutsche Messegesellschaften gehören zu den besten, auch wenn es um den erfolgreichen Export von Messen geht. Man denke nur an die Automechanika oder die electronica. Die CeBIT gibt es nach wie vor nur in Hannover. Für die großen digitalen Themen muss man heute ins Ausland reisen, nach Las Vegas oder Schanghai zur CES oder zumindest zum Mobile World Congress nach Barcelona. Jahrelang versuchte das Messemanagement das Thema Automotive auf der CeBIT zu verankern. Ein Versuch, der bei den häufig gleichen Terminen mit dem Genfer Auto-Salon nur scheitern konnte. Auch wenn es 2011 sogar gelang, Ford-Chef Alan Mulally an die Leine zu bringen. Heute kommt in niedersächsischer Verbundenheit nur noch eine Volkswagen-Abteilung, in erster Linie, um Programmierer und IT-Ingenieure zu finden. Gut, seit 2014 ist die CeBIT keine Verbrauchermesse mehr. Sie ist nur noch eine Industriemesse. Dafür aber mit dem vollmundigen, unaussprechlichen Leitthema d!conomy. Statt Vernetzung beim Automobil muss es jetzt das Thema Industrie 4.0 richten. Da stellt sich nur die Frage, was läuft dann in drei Wochen auf der Hannover Messe? Industrie 4.02, unter dem Motto d!ndustry?
Klartext
Hannover im Abstiegskampf
Es gab Zeiten, als die CeBIT fast eine Million Besucher anlockte. Heute kommen vielleicht noch 200.000.