Berlin. Weil Ladekabel steif und sperrig seien, nass werden und verschmutzen, sei das Laden bislang sehr unkomfortabel, kritisiert Guhl. „Automatisches Laden ohne Zutun des Nutzers ist für den Durchbruch der Elektromobilität wahrscheinlich so bedeutend wie vor 100 Jahren die Erfindung des elektrischen Anlassers für den Benziner.“ Statt über eine Kabelverbindung wird der Strom beim induktiven Laden ähnlich wie bei der elektrischen Zahnbürste von einer Spule in der Fahrbahnoberfläche berührungsfrei an eine Spule am Wagenboden übertragen, erläutert Josef Krammer, der in der BMW-Entwicklung das Laden und die Hochvolt-Technik verantwortet. Der Fahrer müsse dafür sein Auto lediglich möglichst genau über dem Ladepunkt abstellen. Alles andere regelt eine aufwendige Elektronik, die auch die Prozesssicherheit überwacht. Experten schätzen, dass es das induktive Laden wohl zunächst als optionale Technologie ausschließlich für private Stellplätze geben wird. „Installationsaufwand und Kosten werden sich dort nicht wesentlich vom Kabelladen unterscheiden“, so Guhl. Schwieriger wird es dem Experten zufolge im gewerblichen Bereich, wie Parkplätzen von Einkaufszentren: Dort sei die Installation von Induktionspads deutlich teurer als das Aufstellen von Ladesäulen. Zudem falle bei den kürzeren Standzeiten die geringere Ladeleistung der Induktionstechnik stärker ins Gewicht: „Beides schränkt die sinnvollen Einsatzszenarien und die Wirtschaftlichkeit ein“, befürchtet Guhl. Im öffentlichen Raum dagegen sieht Guhl große Chancen für das Induktionsladen: Dort haben unsichtbare Induktionsspulen nicht nur städtebauliche Vorteile. Denn die Kombination aus Unterflureinbau und Mobiltelefon-Freischaltung sei obendrein billiger als eine aufwendige, vandalismussichere Ladesäule. „Wenn Elektrofahrzeuge Teil des Smart Grid sein sollen, um schwankende Strommengen aus Wind- und Sonnenenergie zu puffern, müssen sie dafür so lange wie möglich an das Netz angeschlossen sein. Weil dies beim induktiven Laden ohne Zutun des Nutzers passiert, haben die Energieversorger großes Interesse an dieser Technologie“, so Guhl.
Kabelloses Laden
Händewaschen passé
Das induktive Laden ist eine Schlüsseltechnologie für den Erfolg des Elektroautos. So kommentiert Christian Guhl, Chef der Berliner Energie- und Mobilitätsberatung Scius Consulting, den Vorstoß von Mercedes und BMW, die für ihre batteriebetriebenen Fahrzeuge noch in dieser Modellgeneration eine kabellose Ladetechnologie anbieten wollen.