München. Lange wird Herr Cao dieses Privileg nicht halten können. Denn das Geschäft mit der Individualisierung boomt. Insbesondere die Premiumhersteller braten ihren Kunden immer mehr Extrawürste. Die 40 Spezialisten der M GmbH, die für BMW die Personalisierung übernehmen, sind auf Monate ausgebucht, und bei Mercedes oder Porsche ist das kaum anders. Immer mehr Kunden wollen ihren eigenen Geschmack auch beim Interieur verwirklicht sehen und bestellen deshalb individuelle Extras von Sonderfarben bis zu Stickereien in den Sitzen oder Tischlerarbeiten in den Zierkonsolen. Je höher die Preisregion, desto höher ist auch der Anteil der Individualisierungen. Rolls-Royce- Käufer zum Beispiel, die sich früher beim Coachbuilder ganze Autos nach eigenen Wünschen bauen ließen, sind mit Ware von der Stange einfach nicht zufrieden, sagt Firmenchef Torsten MüllerÖtvös und freut sich über viel Arbeit für sein etwa 100 Mann starkes „Bespoke“-Team. „Beim Phantom zum Beispiel werden 95 Prozent aller Fahrzeuge mit einer Individualisierung bestellt, und selbst beim Ghost sind es 75 Prozent“, sagt Müller-Ötvös und berichtet von Bespoke-Aufträgen, die nicht selten eine Million Dollar erreichen. Besonders beliebt seien der Humidor oder ein Kühlschrank im Fond, Intarsien in den Hölzern und natürlich der sogenannte „Starlight Headliner“. Für diesen Sternenhimmel werden 1340 LED-Punkte ins Dach gewebt – und etwa 12.000 Euro fällig. Doch Extrawürste wie diese sind kein Privileg der Premium- Kundschaft. Kein anderes Auto zeigt das aktuell besser als der neue Opel Adam – nicht nur, weil auch er mit einem Sternenhimmel bestellt werden kann, der bei Opel allerdings nur 390 Euro kostet. Sondern weil der Adam mit bunten Türtafeln und farbigen Verkleidungen für Handbremse und Schaltknauf, auswechselbaren Zierkonsolen, Dekorteilen und den verschiedenen Ausstattungsvarianten auf 62.000 Interieur- Varianten kommt.
Kein Wunder, dass die Kunden da im Schnitt mehr Geld für Extras ausgeben als beim technisch ähnlichen Corsa. Und genau darum geht es den Herstellern, sagt Auto-Experte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach: „Mit kleinen Extras das große Geld machen.“ Aber die Personalisierung hat in den Augen des Analysten noch einen tieferen Sinn: „Damit können die Hersteller die spezifischen Kundenwünsche und -träume zielgenau bedienen und deshalb auch auf weitgehend gesättigten Märkten noch punkten.“ Allerdings nur, wenn sie es geschickt anstellen, mahnt Bratzel: Weil auch ein LED-Himmel oder ein Tatoo auf dem Instrumententräger erst einmal entwickelt und getestet werden muss, gelte es, Grenzkosten und Grenznutzen gründlich abzuwägen. „Aber auch dafür entstehen gerade überall flexible Baukastensysteme, mit denen die OEMs ihr Angebot ausweiten und die Mehrkosten trotzdem in Grenzen halten können“, sagt Bratzel. Als großes Vorbild gilt der Branche in dieser Hinsicht Mini. Denn unter BMW-Regie haben es die Briten mit vielen pfiffigen Details schon vor Jahren geschafft, den Kunden im Schnitt mehr Geld für Extras aus der Tasche zu ziehen als bei einem Einser oder Dreier. Diesem Ideal eifern mittlerweile zahlreiche Kleinwagen nach: Nicht umsonst gibt es für den Fiat 500 sogar bunte Schlüsselkappen, die sich die Italiener extra bezahlen lassen. Und aus gutem Grund bietet Citroën für den DS3 vier Dekors und sechs Polsterungen an. „Das wirkt“, sagt ein Pressesprecher: Während der C3 vor allem wegen des Preises gekauft und oft in der Basisausstattung ausgeliefert wird, geht es beim DS3 vor allem ums Prestige. Deshalb ist der DS3 mehr als 3000 Euro teurer als der technisch ähnliche C3 – und mit jedem Kaufvertrag bestellen die Kunden im Schnitt Extras für weitere 1600 Euro. Aber es geht bei der Individualisierung nicht nur um die Anpassung an den persönlichen Geschmack. Die farbigen Austauschteile erhöhen auch den Wiederverkaufswert eines Autos, sagt ein Opel-Sprecher: Wenn man Sitzbezüge oder Zierkonsolen mit wenigen Handgriffen wechseln kann, sieht auch ein Gebrauchtwagen innen für ein paar Hundert Euro wieder wie neu aus – und passt perfekt zum Geschmack des künftigen Besitzers.Großes Geld mit kleinen Extras
Von außen sieht Robert Caos Dienstwagen aus wie ein ganz normaler Siebener. Doch wer zu dem chinesischen Industriemagnaten in den Fond steigt, lernt die BMW-Limousine als ganz persönliche Suite des Mittvierzigers kennen: Leder und Holz nach dem eigenen Geschmack, jeder Quadratmillimeter ist mit edlen Materialien verkleidet, individuelle Stickereien in den Kopfstützen und das Firmenlogo in Goldintarsien im Armaturenbrett verewigt. Rund ein Jahr haben die Bayern an dem Auto gearbeitet und Cao dafür rund 100.000 Euro extra berechnet. Aber jetzt brüstet sich der Immobilienmagnat als Besitzer des teuersten Siebeners der Welt.