München. Die jüngsten Berichte um den Biosprit "E10", ausgelöst durch einen Beitrag des TV-Magazins Frontal 21, haben für reichlich Wirbel gesorgt. Verunsicherte Kunden befürchten, ab 2009 teuren SuperPlus-Sprit tanken zu müssen, weil ihre Autos den neuen E10-Kraftstoff nicht vertragen. Der Auto Club Europa fordert sogar Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf, die Pläne zur Biosprit-Beimischung zu stoppen.
Hintergrund ist das "Biokraftstoffquotengesetz" aus dem Jahr 2007. Es verpflichtet die Mineralölwirtschaft, den Biokraftstoff-Anteil stufenweise bis 2015 zu steigern. Konkret sieht das Gesetz vor, dass Benzinkraftstoffe ab 2009 mindestens 2,8 Prozent Bioethanol (bezogen auf den Energiegehalt) enthalten müssen. Der TV-Bericht aber suggerierte, ab 2009 sei eine Beimischung von zehn Prozent Ethanol verpflichtend.
Doch dieser Wert entstammt nicht dem Gesetz, sondern der Novelle einer Verordnung zur Kraftstoffqualität, "die noch gar nicht verabschiedet ist", so ein Sprecher des Umweltministeriums (BMU). Diese Novelle definiert den künftigen Standard für Benzinkraftstoffe und sieht ab 2009 eine Obergrenze für Ethanol-Beimischungen im Benzin von zehn Prozent vor. Das heißt: Wird die Novelle verabschiedet - frühestens im Mai 2008 --, ist ab 2009 ein Ethanol-Anteil im Benzin von maximal zehn Prozent möglich - aber keineswegs verpflichtend. Zudem will das BMU die Verordnung "so lange nicht in Kraft setzen, wie es Unsicherheiten hinsichtlich der Zahl der betroffenen Pkw gibt".
Ungeachtet dessen sehen sich die Hersteller mit einer Flut von Anfragen verunsicherter Autofahrer konfrontiert. Eine flächendeckende Einführung des Biosprits könnte Folgekosten von 20 bis 25 Milliarden Euro für Verbraucher und Kfz-Gewerbe nach sich ziehen, befürchtet der Bundesverband freier Kfz-Händler.
Ob solche Hochrechnungen realistisch sind, hängt vor allem davon ab, wie viele der 36 Millionen Benziner hierzulande betroffen sind. Während der ADAC von "Millionen" spricht, zählt der VDA nur 375.000 E10-unverträgliche Fahrzeuge. Das deutsche Kfz-Gewerbe warnt unterdessen davor, die Verunsicherung der Verbraucher durch "übereilte Spekulationen" zu schüren und fordert die Hersteller bis Ende März zur Klarstellung auf.
Auf Anfrage der Automobilwoche nennt lediglich VW eine konkrete Zahl: 175.000 VW-Fahrzeuge sind E10-untauglich. BMW teilt mit, dass alle Modelle ab Baujahr 1998 den Biosprit tanken können. Auch Peugeot gibt alle Benziner ab Baujahr 1998 frei, Ford fast alle in Europa verkauften Modelle ab dem Baujahr 2002. Eine Ausnahme bildet der aktuelle Ford Ka, der mit Blick auf den Nachfolger 2009 aber nicht mehr umgerüstet wird.