Rüsselsheim. Zahlreiche Volumenhersteller wie VW und Toyota profitieren vom Wachstumssegment der kompakten Offroader - aber nicht General Motors. Die Ende 2006 gestarteten Modelle Opel Antara und Chevrolet Captiva erreichen im europäischen Vergleich nicht die Verkaufßahlen ihrer Wettbewerber. Speziell der Opel steht auf den Höfen der Händler wie Blei. In seinem ersten vollen Verkaufsjahr 2007 wurden in Deutschland nicht einmal halb so viele Antara (7051 Autos) wie Toyota RAV4 (16.179 Fahrzeuge) neu zugelassen.
Selbst Hersteller mit einem deutlich geringeren Marktanteil wie Suzuki (7249 Grand Vitara) und Honda (9789 CR-V) konnten mehr Neukunden für ihre Produkte gewinnen. Für den Chevrolet Captiva konnten sich immerhin 3903 Neukunden erwärmen. Das Schwestermodell des Opel schneidet im europäischen Vergleich sogar besser ab: Laut Marktbeobachter Jato Dynamics verkaufte Chevrolet 29.235 Captiva, Opel hingegen nur 23.879 Antara. Zum Vergleich: Honda konnte 68.562 CR-V-Kunden gewinnen, 90.329 SUV-Interessierte entschieden sich für einen RAV4. "Der Antara ist bislang hinter unseres Erwartungen zurückgeblieben", gibt Jonathan Browning, Vertriebschef von GM Europe, zu. Da es in diesem Segment zahlreiche Neuerscheinungen gibt, sei der Bekanntheitsgrad des Antara auf einem niedrigen Niveau, so Browning. Erschwerend kamen Lieferprobleme bei der 150-PS-Dieselversion des Antara am Jahresanfang 2007 hinzu.
Besserung ist zumindest auf dem deutschen Markt nicht in Sicht. Im ersten Quartal 2008 wurde deutlich, welchen Abstand der Antara (1609 Neuzulassungen) nicht nur zur asiatischen Konkurrenz, sondern auch zum neuen VW Tiguan (6502 Neuzulassungen) hat - und das, obwohl Opel im Gegensatz zu VW bereits in den frühen 90er-Jahren mit dem Frontera Erfahrungen in diesem Segment gesammelt hat. Größere Modellpflege-Maßnahmen, die einen Aufschwung bringen könnten, sind einem Opel-Sprecher zufolge nicht geplant. "Das Auto kam erst Ende 2006 auf den Markt, ein Facelift steht üblicherweise frühestens nach zweieinhalb Jahren an", heißt es in Rüsselsheim. Intern glaubt man ohnehin nicht, dass der Antara aus der Rolle des Nischenmodells herauskommt, da Opel in diesem Jahr alle Kräfte für einen erfolgreichen Start des Vectra-Nachfolgers Insignia bündelt. Zudem wurden die technisch weitgehend identischen Modelle Antara und Captiva laut GM "von der Basis eines größeren Geländewagens downgesized", weshalb man bei der Fahrdynamik den Vergleich mit die Konkurrenz verliert. Dass der Captiva im europäischen Markt besser als der Opel abschneidet, liegt nach internen Quellen an der Offroad-Tradition der Marke Chevrolet. Darüber hinaus ist nur der Captiva auch als variabler Siebensitzer erhältlich - obwohl Flexibilität laut Opel-Marketing zu den Kernwerten der Marke gehören soll.