München. Ob ein Fahrzeug umweltfreundlich ist oder nicht, spielt für Autokunden weltweit eine zunehmend wichtige Rolle. Die Frage nach der Umweltverträglichkeit ist mittlerweile unter die fünf wichtigsten Kaufkriterien aufgestiegen und hat das Potenzial, neben der Zuverlässigkeit und der Sicherheit zum dritten "Hygienefaktor" beim Autokauf zu werden - also zu einer Mindestanforderung, die in jedem Fall erfüllt werden muss. Dies hat die Unternehmensberatung Oliver Wyman (ehemals Mercer Management Consulting) in einer breit angelegten Studie ermittelt, die Automobilwoche exklusiv vorliegt. Dazu wurden im Juli 2007 insgesamt 3600 Autonutzer in Europa und den USA befragt. Der Erhebung zufolge wollen mehr als 80 Prozent der europäischen Autofahrer auf den Klimawandel reagieren (siehe Grafik) - "allerdings ist nur jeder Zehnte bereit, dafür auch tiefer in die Tasche zu greifen", sagt Automobilexperte und Studienleiter Peter Bosch von Oliver Wyman.
Doch die aktuelle Zurückhaltung beim Autokauf hat nicht nur finanzielle Gründe. Zwar geben immerhin 40 Prozent der befragten Europäer an, sich die Anschaffung und den Unterhalt eines Neufahrzeugs derzeit nicht leisten zu können. Erschwerend hinzu kommt auch, dass jeder fünfte Befragte durch die Diskussion über konkurrierende Umwelttechnologien stark verunsichert ist. Und etwa die Hälfte der Befragten sieht sich außerstande, anhand technischer Daten selbst zu beurteilen, ob ein Auto umweltfreundlich ist oder nicht. Deshalb befürwortet die Mehrheit der befragten Autonutzer, dass eine neutrale Instanz Hilfestellung bei der eigenen Kaufentscheidung leistet: "Volkes Stimme", so Berater Bosch, "fordert ein Umweltsiegel."
Insgesamt zeigen sich die europäischen Autofahrer beim Thema Umwelt kritischer als die US-Verbraucher. So halten nur 56 Prozent der Europäer einen Benzinverbrauch von fünf Litern auf 100 Kilometer für umweltfreundlich - in den USA sind es 86 Prozent. Auf den Spritverbrauch achten vor allem Franzosen und Deutsche: 65 Prozent der französischen und 60 Prozent der deutschen Autofahrer schließen den Kauf eines Fahrzeugs, das mehr als zehn Liter verbraucht, kategorisch aus.
Während der CO2-Ausstoß und der Treibstoffverbrauch bei allen Befragten als wichtigste Kriterien zur Bestimmung der Umweltfreundlichkeit eines Fahrzeugs gelten, spielt für das Öko-Image eines Herstellers nur eine untergeordnete Rolle, ob beim Fahrzeugbau Recyclingmaterialien verwendet werden oder nicht.
Bei der Beurteilung der Öko-Kompetenz der Autohersteller liegen in Europa aktuell Toyota und Renault vorn. Gleichzeitig sehen die EU-Verbraucher bei deutschen Anbietern innerhalb der nächsten zehn Jahre das größte Aufholpotenzial. Die europäischen Premiumkunden rechnen sogar damit, dass Mercedes-Benz in zehn Jahren Toyota als "Umweltführer" ablösen wird. Diese Chance sollten die Hersteller nutzen, meint Berater Bosch, indem sie "Ökologie als Mittel zur Differenzierung verstehen".