München. Doch das China-Geschäft hat Tücken. So wächst die Zahl der gut ausgebildeten Autoverkäufer und Kfz-Mechaniker nicht im gleichen Maße wie die der produzierten Pkw. Jüngst sorgte ein Maserati-Fahrer für Schlagzeilen, als er seinen Luxuswagen vor laufender Kamera mit Vorschlaghämmern zerstören ließ – die Inkompetenz seiner Vertragswerkstatt habe ihn dazu gebracht. Künftig soll die Kfz-Ausbildung in China umstrukturiert werden, dabei wird das deutsche Berufsbild Mechatroniker eingeführt. Auch die Service-Qualität ist ausbaufähig. Audi zum Beispiel hat derzeit rund 300 Händler in China, und jede Woche kommt ein neuer hinzu. „Der Schulungsbedarf ist hoch. Wir wollen in diesem Jahr mehr als 6000 neue Verkaufs- und Serviceberater ausbilden“, sagt Dietmar Voggenreiter, Präsident von Audi China. Dafür soll noch 2013 das weltweit größte Audi-Trainingszentrum in Peking eröffnet werden. Mercedes ist bereits so weit, im Frühjahr eröffnete der Hersteller ein Ausbildungszentrum für Verkaufs- und Serviceberater in Chengdu. Doch für den Erfolg auf dem chinesischen Markt sind nicht nur Premiumprodukte und gut ausgebildete Servicekräfte nötig. Vor allem müssen europäische Manager, die nach China entsandt werden, gut vorbereitet sein. „So eine Tätigkeit erfordert hohes Engagement und Flexibilität“, sagt Steffen Wachter, Leiter Global Assignment Management bei Daimler. „Man muss eine interkulturelle Sensibilität für andere Gepflogenheiten mitbringen.“
Geschäftserfolg in der Karaoke-Bar
Für die Vermittlung solcher „Gepflogenheiten“ ist unter anderem Zuhui Mao zuständig. Die Chinesin berät mit ihrem Heidelberger Unternehmen SinaLingua viele namhafte Automobilhersteller und Zulieferer. „Wer in China tätig sein will“, sagt die 45-jährige Expertin, „muss nicht nur über fachliche, sondern auch über ein hohes Maß an sozialer Kompetenz verfügen.“ Wer grundlegende Prinzipien des Miteinanders in China missachte, der „könne ein Geschäft gegen die Wand fahren – ohne zu wissen, was da eigentlich falsch gelaufen ist“, so Mao. „Der größte Fehler ist, hinüberzugehen und zu denken, man könne das deutsche Erfolgsrezept eins zu eins nach China übertragen“, so die China-Expertin. Wer als besserwisserisch gelte, der habe schon fast verloren. Umso wichtiger sei es, echtes Interesse für sein Gegenüber zu entwickeln, für seine Kultur, seine Familie. Gemeinsam essen gehen, ein Besuch in der Karaoke-Bar – so können Verhandlungen sich ziehen, doch das sei normal in China. Die meisten deutschen Unternehmen haben ihre Hausarbeiten gemacht. BMW etwa hebt mit dem chinesischen Partner Brilliance eine neue Marke aus der Taufe – Zinoro. Der Name leitet sich von zwei chinesischen Begriffen ab. „Zhi“ steht für die chinesischen Wurzeln und „Nuo“ bedeutet Verpflichtung.