Die Begeisterung für die Automobilindustrie wurde ihr praktisch in die Wiege gelegt: Gertrud Moll- Möhrstedt, Geschäftsführende Gesellschafterin der Akkumulatorenfabrik Moll im fränkischen Bad Staffelstein, ist die Tochter des Unternehmensgründers. 1972, nach dem Studium, entschied sie sich, in die Firma ihres Vaters einzutreten, um später einmal fortzuführen, was er nach 1946 aufgebaut hatte. Von der Branche fasziniert war sie schon lange, weil "mich das Automobil, eine Verbindung von innovativer Technik und Design, begeistert“. Chefin eines deutschen Batterieherstellers zu sein, war und ist alles andere als einfach: Die heimische Konkurrenz hat sich längst vom Standort D verabschiedet. Einzig die Firma Moll steht noch fest zu "Made in Germany“, was in der kostengetriebenen Autobranche schwierig genug ist. Doch Innovationen wie die auslaufsichere Batterie mit Doppeldeckel machen sich bezahlt.
Ihre größte Herausforderung war es denn auch, Anfang der 90er-Jahre den Konzentrationsprozess in der Branche zu überstehen: "Nahezu alle bekannten großen deutschen Batteriehersteller wurden übernommen“, so Moll- Möhrstedt, "die Produktion an den Standorten wurde geschlossen und ins Ausland verlagert.“ Trotz der "nach unten ungebremsten Preisspirale“ ist es ihr gelungen, die Produktion am Standort Oberfranken zu halten. Ihr größtes Ziel? Moll als "modernes und innovatives Unternehmen fortentwickeln“. Gertrud Moll-Möhrstedt würde jeder Frau raten, in die Automobilindustrie zu gehen, "wenn sie Herausforderungen sucht, flexibel, belastbar und neugierig ist“. Wichtig sei aber, "Frauen schonfrühzeitig mit dem Bereich Technik vertraut zu machen“. Dort sieht sie noch Defizite. Deshalb unterstützt Moll Programme, Mädchen wie Jungen schon im Kindergartenalter auf spielerische Art für Technik zu begeistern, so mit der "Zitronenbatterie“. Schon Firmengründer Peter J. Moll konnte junge Menschen für die Batterietechnik einnehmen. Sein Buch "Bleiakkumulatoren – Theorie und Praxis“ gilt an der Uni noch immer als Standardwerk.