Shenyang. In Shenyang in der Provinz Liaoning gibt es nur zwei Sehenswürdigkeiten: die „Verbotene Stadt“ der Qing-Dynastie – und seit Ende Mai im Stadtbezirk Tiexi das weltweit modernste Werk von BMW. Über das Engagement freut sich nicht nur Gouverneur Chen Zhenggao, der seine Provinz damit aus der Abhängigkeit von der Schwerindustrie lösen will. Bereits 1,5 Milliarden Euro hat BBA (BMW Brilliance Automotive), einer seiner größten Steuerzahler, investiert. Weitere 500 Millionen sollen folgen. Auch der Münchner Autobauer ist überzeugt, dass sich der Einsatz lohnt. „Das neue Werk ist die Benchmark im BMW-Produktionsnetzwerk und wird die Voraussetzung für weiteres Wachstum schaffen“, verspricht BMW-Chef Norbert Reithofer. Er meint damit nicht nur die erwartete Steigerung beim Absatz, sondern auch bei der Nachhaltigkeit und Effizienz: Produktivitätssteigerung und Energiereduzierung belaufen sich dank neuster Technologien gegenüber anderen Werken auf insgesamt 40 Prozent. Und damit nicht genug.
Um das Marktpotenzial voll auszuschöpfen, bauten die Bayern zusätzlich eine auf 200.000 Stück ausgelegte Motorenfertigung für 2,0-Liter- Vierzylinder-Ottomotoren. Damit überschreitet BMW Grenzen: „Der Start der einzigen Motorenproduktion außerhalb Europas ist ein wichtiger Schritt und verdeutlicht damit unser umfassendes Engagement im Wachstumsmarkt China“, so Friedrich Eichiner, Finanzvorstand und verantwortlich für das Gemeinschaftsunternehmen mit Brilliance. Im Paket mit dem bestehenden Werk in Dadong, am anderen Ende der Stadt, soll die Jahreskapazität mittelfristig auf 300.000 Fahrzeuge anwachsen. „Derzeit beträgt sie in Dadong 100.000. Dasselbe gilt für die erste Anlaufstufe in Tiexi“, sagt Knudt Flor, Senior Vice President Technology und Manufacturing von BBA. Gefertigt werden zunächst der X1 und die Langversion des Dreier. Theoretisch kann dort aber die komplette BMW-Palette gebaut werden.Das Werk ist so ausgelegt, dass eine Erweiterung bis zur doppelten Kapazität machbar wäre. Die dazu notwendigen Mitarbeiter rekrutiert BMW hauptsächlich in China. „Wir qualifizieren umfangreich und bieten spezielle Programme, um die Loyalität zu erhöhen“, erklärt Werksleiter Flor. Denn um die ist es in China nicht gut bestellt. Darum bietet BMW Leistungen wie eine Flotte von 91 Bussen, die Mitarbeiter von der Wohnung zur Arbeit bringen. Das ist notwendig, um die ausgebildeten Arbeiter davon abzuhalten, wegen mehr Geld zur Konkurrenz zu wechseln. Denn die Löhne sind niedrig, sie erreichen nur ein Zehntel des deutschen Niveaus, umgerechnet 250 Euro plus Zulagen. Die Betriebszeiten im Werk betragen pro Jahr 6750 Stunden. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die durchschnittliche Jahresstundenzahl 5000. „Doch die Löhne steigen rasant. Derzeit klettern sie zwischen zehn und 15 Prozent pro Jahr“, sagt Flor.Beim Management in den Metropolen Peking und Schanghai herrscht schon annähernd das gleiche Entlohnungsniveau wie in München. Während der Lohnkostenvorteil schmilzt, sprechen vor allem die Einfuhrkosten für eine Fertigung vor Ort. „Einfuhrzölle, Hubraum- und Mehrwertsteuer lassen einen Siebener beispielsweise 300.000 Euro kosten“, sagt Daniel Kirchert, Senior Vice President Sales & Marketing BBA. Deshalb ist eine lokale Produktion vor Ort finanziell attraktiver. Sie hängt allerdings davon ab, ob BMW das eigene hohe Qualitätsversprechen auch in China einhalten kann. „Wir haben derzeit einen Lokalisierungsgrad von etwas mehr als 40 Prozent“, sagt Flor. Aber noch bleibt man hauptsächlich bei vertrauten Zulieferern. So haben im neuen Werk auch Zulieferer wie ZF eine Heimat gefunden.Gegen Einfuhrzölle und Hubraumsteuer
In Shenyang in der Provinz Liaoning gibt es nur zwei Sehenswürdigkeiten: die „Verbotene Stadt“ der Qing-Dynastie – und seit Ende Mai im Stadtbezirk Tiexi das weltweit modernste Werk von BMW. Über das Engagement freut sich nicht nur Gouverneur Chen Zhenggao, der seine Provinz damit aus der Abhängigkeit von der Schwerindustrie lösen will. Bereits 1,5 Milliarden Euro hat BBA (BMW Brilliance Automotive), einer seiner größten Steuerzahler, investiert. Weitere 500 Millionen sollen folgen.