Frankfurt/Main. Das Klischee von der spartanischen Sparbüchse ist Schnee von gestern. Bekannt ist auch, dass Kleinwagen nicht unbedingt bieder designt, schlicht ausgestattet und schwächlich motorisiert sein müssen. Doch durchgehend sichtbar wird diese Erkenntnis erst nach und nach. Etwa dann, wenn mit der neuen Modellgeneration eines Kleinwagens die frische Art, mit der die Autozwerge heute auftreten, für eine breite Öffentlichkeit sichtbar wird. Auf der IAA debütiert ein rundes Dutzend dieser flotten, frechen, fröhlichen Nachwuchsautos. Die Wichtigsten davon sind hier versammelt.
Fröhlicher Nachwuchs
Als Prototyp für die neue Kleinwagenklasse kann der Fiat 500 gelten (Halle 6.0), dem die Italiener einen Großteil ihres Messeauftritts gönnen. Und auch die anderen Novitäten bei Fiat sind Knirpse, wie der Grande Punto Abarth und ein Panda-Hybrid-Konzeptmodell. Konzernschwester Lancia (Halle 6.0) wiederum zeigt den überarbeiteten Minivan Musa.
In diese Kategorie fahren auch der neue Opel Agila (Halle 8.0) und sein Zwillingsbruder, der Suzuki Splash (Halle 3.1), die beide im Suzuki-Werk im ungarischen Esztergom produziert werden. Basis beider Autos ist der Suzuki Swift. Die Japaner steuern auch die beiden Benzinmotoren bei, während das Dieselaggregat ein Fiat-Lizenzprodukt ist, das Suzuki in Indien fertigt.
Ein Plus an Raum bei möglichst geringer Grundfläche, das ist auch die Aufgabe, der sich drei andere Neuzugänge in der Kleinwagenklasse stellen. Der Skoda Fabia Combi (Halle 3.0) setzt die Tradition der tschechischen VW-Tochter fort, ebenso unaufgeregte wie formschöne Alltagsautos zu bauen. Schon bei normaler Bestuhlung fasst der Gepäckraum erstaunliche 480 Liter. Aus Frankreich fahren der Peugeot 207 SW (Halle 8.0) - ein Auto mit arg extrovertiertem Heckdesign - und die Kombiversion des Renault Clio (Halle 3.1) vor.
Aus Japan tritt der neue Subaru Justy (Halle 8.0) in der kleinen Klasse an. Er wird von Daihatsu gefertigt - ein Kooperationsvertrag zwischen Subaru und der Toyota-Tochter macht diese Zusammenarbeit möglich. Daihatsu (Halle 4.0) selbst zeigt in Frankfurt die überarbeitete Version des Sirion. Außerdem heißt es, dass die Japaner das Publikum mit einer Studie im Kleinformat überraschen wollen. Nissan (Halle 3.1) wiederum präsentiert den renovierten Micra.
Ein Kleinwagen-Design-Wettbewerb findet bei Chevrolet (Halle 8.0) statt. Die General-Motors-Marke zeigt, wie bereits auf der Motorshow in New York im April dieses Jahres, gleich drei Mini-Studien namens Beat, Groove und Trax. Das Styling der Autos reicht von sportlich-aggressiv über flotten Retro-Look bis hin zu einem Knirps im Offroad-Trimm. Um herauszubekommen, welches Kleinwagenkonzept am besten beim Publikum ankommt, startet Chevrolet auf www.vote4chevrolet.eu eine Online-Abstimmung, bei der IAA-Besucher ihren Favoriten wählen können. Ganz neu zu sehen ist auch der Nachfolger des Kalos namens Aveo.
Dass der Kleinwagenmarkt offenbar immer mehr Hersteller intensiv beschäftigt, wird allem Anschein nach diese IAA bestätigen. Denn in der Gerüchteküche vor dem Messestart köchelte auch immer wieder hoch, dass sowohl Volkswagen (Halle 3.0) als auch Toyota (Halle 8.0) mit Kleinwagen-Studien Aufsehen erregen wollen.
Sehr viel konkreter, wenngleich ebenfalls eine Studie, ist der Ford Verve (Halle 3.1). Das in strahlendem Violett lackierte Fahrzeug nimmt einige Grundzüge des kommenden Fiesta vorweg und fällt vor allem durch ein mutiges und frisches Design auf. Im Innenraum herrscht, wie bei Modellen dieser Art üblich, beinahe übertriebener Luxus, der wohl nicht für das Serienmodell in Betracht kommt. Ford-Europachef John Fleming sieht den Verve denn auch als "Stimmungsbarometer" für die Zukunft.