Camacari. Die fortschrittlichste Produktionsanlage der Ford Motor Company steht im Nordosten Brasiliens. Das Werk Camacari, wo die Amerikaner das kleine SUV EcoSport und den Fiesta bauen, produzierte im vergangenen Jahr 207.180 Fahrzeuge für den südamerikanischen Markt. Zudem investiert Ford dort Millionenbeträge in ein globales Design- und Entwicklungszentrum für kleine Fahrzeuge und hat allein in den letzten zwei Jahren knapp 1300 Ingenieure eingestellt. "Brasilien ist für uns unglaublich wichtig und könnte in Zukunft zu einem der bedeutendsten Absatzmärkte von Ford werden“, sagte der für Südamerika verantwortliche Marketingchef Jim Farley in einem Interview.
Ford schätzt sein brasilianisches Werk für die wachsende Produktentwicklungskompetenz – und für die Gewinne, die es heim nach Dearborn überweist. Nicht zuletzt die Erträge aus dem Südamerika- Geschäft sorgten dafür, dass Ford in der Krise 2009 keine staatlichen Bürgschaften in Anspruch nehmen musste. In diesem Jahr könnte Brasilien Großbritannien als zweitgrößten Markt für den Hersteller hinter den USA ablösen. Im vergangenen Jahr verdiente Ford in Südamerika mit Brasilien als dominierendem Einzelmarkt 765 Millionen US-Dollar vor Steuern, während das Europa-Geschäft lediglich 86 Millionen Dollar abwarf. Brasilien beherbergt außerdem eines von fünf Produktentwicklungszentren. Neben der Arbeit an Kleinwagen wurde dort ein neuer Motor für den Fiesta des Modelljahrs 2011 entwickelt. Wachsender Wohlstand, die starke Währung und ein boomender Arbeitsmarkt befeuern in Brasilien die Nachfrage vor allem nach kleineren Fahrzeugen. Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr nach Angaben der Zentralbank um 7,2 Prozent steigen. Brasilien, Russland, Indien und China – bekannt als die BRIC-Staaten – werden in rund zehn Jahren ein größeres Absatzvolumen aufweisen als die USA, Europa und Japan zusammen, sagt Guido Vildozo, Autoanalyst für Lateinamerika bei IHS Automotive in Boston.
Von 2006 bis 2009 ist die Zahl der in Brasilien verkauften Fahrzeuge von 1,8 auf drei Millionen gestiegen. Für dieses Jahr erwartet IHS ein Volumen von 3,15 Millionen Fahrzeugen. "Ungeachtet einer schweren weltweiten Rezession haben wir hier einen Markt, der in rund fünf Jahren um 50 Prozent gewachsen ist“, so Vildozo. Ford ist nicht das einzige Unternehmen, das seine Kapazitäten in Brasilien erweitert. Bis Ende 2015 werden Automobilhersteller laut Vildozo bis zu 20 Milliarden Dollar investieren. Die wichtigsten Wettbewerber von Ford sind Marktführer Fiat mit 23,2 Prozent Marktanteil im ersten Halbjahr 2010 gefolgt von Volkswagen mit 21,1 Prozent und General Motors mit 19,9 Prozent. Ford liegt mit 10,5 Prozent auf Platz vier und erwartet in den nächsten Jahren keine bedeutenden Zugewinne: Fiat wird neue Produkte einführen, während zusätzliche Konkurrenz von Toyota und Hyundai kommt, die den Bau neuer Werke planen.