München. Vor einem Jahr bewegte die Autobranche vor allem die Frage, ob Toyota General Motors als größten Automobilhersteller überholen wird. Nun ist fraglich, ob GM im kommenden Jahr überhaupt noch antreten kann. Rund zwölf Milliarden Dollar braucht der Konzern pro Monat, um seine Kosten zu decken. Die Einkünfte sind in den vergangenen Monaten jedoch um 50 Prozent zurückgegangen – und über Bargeldreserven verfügt GM kaum noch.
Allein für Pensions- und Gesundheitszahlungen musste der Autobauer in den vergangenen 15 Jahren 103 Milliarden Dollar aufwenden. Zusammen mit einer verfehlten Modellpolitik hat das den Konzern an den Rand des Abgrunds getrieben – trotz herber Einschnitte bei der Belegschaft, die bereits 2005 gegen die mächtige Gewerkschaft UAW durchgeboxt wurden. Die Auslagerung dieser Kosten in einen Fonds ist zwar beschlossen, tritt aber erst 2010 in Kraft. Selbst dann kostet der Fonds GM im ersten Jahr rund sieben Milliarden Dollar. Jetzt soll das Portfolio auf vier Marken eingedampft werden. Nachdem schon im Sommer Hummer zum Verkauf ausgerufen wurde, soll laut GM-Finanzchef Fritz Henderson nun Saab auf den Prüfstand gestellt werden.
Pontiac schrumpft zur Nischenmarke und Saturn geht möglicherweise ganz ein – was wiederum ein Problem für Opel werden könnte, da kommende Produkte in den USA als Saturn vertrieben werden sollten. „Das sind nicht die Dinge, die wir gerne tun, die wir aber tun müssen“, sagt GM-CEO Rick Wagoner. Das Wegfallen einzelner Marken soll dazu beitragen, die strukturellen Kosten des Konzerns im US-Geschäft von derzeit 30,3 Milliarden Dollar pro Jahr auf 23,2 Milliarden zu reduzieren.