Herr Wolk, wie verändert sich der Markt der Werkstattausrüster?
Wolk: Wir haben einige Konzentrationsprozesse. Bosch beispielsweise hat in den vergangenen Jahren expandiert, und der Teilegroßhandel drängt verstärkt in den Bereich – insbesondere mit günstigeren Produkten für freie Werkstätten. Die etablierten Unternehmen reagieren darauf unter anderem mit einer Umstellung ihres Vertriebs.
Herr Nikolic, welche Rolle spielen Hersteller aus Fernost?
Nikolic: Die Unternehmen in Ländern wie China sind inzwischen so weit, dass sie zur Konkurrenz werden. Quantitativ sind wir hier erst am Anfang, aber es wird mehr werden. Der Vorsprung, den die europäischen Länder auf diesem Gebiet hatten, ist nicht mehr so groß wie vor zehn Jahren.
Wirkt sich das auf die Preise aus?
Wolk: Natürlich. Wir haben es mit anderen Preisstrukturen zu tun. Ich erwarte auch, dass etablierte Unternehmen künftig verstärkt Handelsmarken anbieten werden, insbesondere in Verbindung mit den großen internationalen Handels- und Einkaufsgruppen.
Wie weit sind Billig-Produkte in Deutschland angekommen?
Nikolic: Wir gehen noch von einem kleinen Anteil aus. Maximal zehn Prozent im Bereich der freien Werkstätten. Bei den Vertragswerkstätten dagegen kommt das kaum vor.
Wie wichtig ist Software?
Wolk: Dass Software an immer mehr Stellen gebraucht wird, sieht man beispielsweise im Bereich der Autoglaser. Früher war sie hier kaum ein Thema. Doch um die Assistenzsysteme, die durch die Windschutzscheibe messen, zu kalibrieren, ist Software heute unverzichtbar.
Wo gibt es weiteres Wachstum?
Wolk: Die Bedeutung der Diagnose ist allgemein im Wachsen begriffen. Allerdings wird ein immer größerer Teil davon in den On-Board-Bereich verlagert. Das ist für die Hersteller der Geräte durchaus kritisch zu sehen.
Kann sich eine kleine Werkstatt denn die immer aufwendigere Diagnoseausrüstung überhaupt noch leisten?
Wolk: In London gibt es einen Unternehmer, der einen mobilen Diagnosedienst für diese Werkstätten bietet. Der schickt Klein- Lkw voller Geräte zu den Betrieben, inklusive Elektroniker. Für viele kleinere Betriebe im Mehrmarkenbereich ist das eine Überlebenshilfe. Das wird sicher noch Nachahmer finden.
Das würde den Herstellern von Diagnosegeräten kaum gefallen.
Wolk: Ja, ganz klar. Aber die Nische könnte sowohl von Marktteilnehmern, die nichts mit Diagnosegeräten zu tun haben, besetzt werden, als auch von komplett Außenstehenden. Eigentlich wundert es uns, dass noch so gut wie niemand in diesen Bereich eingestiegen ist.
Wären nicht die Teilehändler selbst prädestiniert, einen solchen Service anzubieten?
Wolk: Ja. Es gibt den Ansatz bei Trost mit den Flying Doctors. Aber mit voller Kraft macht das noch keiner in Deutschland. Ich persönlich glaube aber eher an einen Newcomer von außen, weil die Etablierten nicht ihr Geschäftsmodell gefährden wollen.