Der weltgrößte Zulieferer Bosch hingegen ist schon lange in Russland vertreten. Dennoch bauen die Stuttgarter nun ihre Präsenz auf dem schnell wachsenden Markt weiter aus. Das Unternehmen hat vor Kurzem angekündigt, 150 Millionen Euro in eine neue Zentrale in der Nähe von Moskau zu investieren.
Auch bei Leoni ist die Aufnahme der Fertigung in zwei neuen russischen Werken nur noch eine Frage der Zeit. "Eine Anlage startet auf jeden Fall noch in diesem Jahr, die andere kurze Zeit später", sagt Uwe Lamann, im Vorstand für die Division Wiring Systems verantwortlich. In einem der Werke sollen Teile für Pkw, im anderen Komponenten für Nutzfahrzeuge hergestellt werden. Die Fabriken dürften in der Nähe von Togliatti entstehen. Lamann hat den Standort bislang allerdings nicht bestätigt.
Die Betriebsamkeit der westlichen Zulieferer spiegelt sowohl das Fehlen einer russischen Zulieferindustrie als auch die ambitionierten Wachstumspläne der großen Autobauer wider. Für General Motors beispielsweise hat Russland als Wachstumsmarkt höchste Priorität, sagt Heidi McCormack, Direktorin für New Business Development bei General Motors. Im März forderte McCormack die Zulieferer auf, nach Russland zu kommen: "Bislang gibt es dort noch nicht genügend Hauptlieferanten."
Die Chancen, die der Markt bietet, sind verlockend: Auf eine Bevölkerung von 142,3 Millionen Menschen kommen derzeit nur 27 Millionen Autos. Das entspricht einem Verhältnis von 188 Fahrzeugen je 1000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 565 Autos pro 1000 Einwohner, in Polen immerhin 369 Autos. Die Unternehmensberatung Roland Berger geht davon aus, dass im Jahr 2020 auf 1000 Russen bereits 432 Fahrzeuge kommen. In den nächsten Jahren sollen zusätzlich 15 Millionen Haushalte in der Lage sein, sich ein Auto zu leisten.
Die meisten Zulieferer sind sich sicher, mit dem Markteintritt in Russland nicht zu spät zu kommen, da die westlichen Autohersteller erst jetzt mit der Produktion beginnen: "Wir steigen genau zum richtigen Zeitpunkt ein", sagt etwa Valeo-Chef Thierry Morin. "Vorher war hier ja nichts."