Eine ist das Thema Internationalisierung. Von den BRIC-Staaten ist nur China auf Kurs. Die Märkte in Brasilien, Russland und Indien entwickeln sich derzeit eher enttäuschend. Zudem gibt es Unsicherheiten auf der Währungsseite. Es stellt sich die Frage, wie viel Produktion in Deutschland verbleibt. Während es in Westeuropa auf Kundenseite und damit nachfolgend auch auf Zuliefererseite zu Kapazitätsanpassungen kommt, gibt es in Mittel- und Zentralosteuropa teilweise sogar einen Aufbau von Kapazitäten.
Es ist gut, dass wir gemeinsam ins Fitnessstudio gehen
Die Rahmenbedingungen entwickeln sich hierzulande nicht zum Positiven. Die Stichworte lauten: steigende Energiekosten und unverständliche Beschlüsse in der Sozial- und Rentenpolitik. Beispielsweise die Rente mit 63 oder die Mütterrente, die die zukünftigen Generationen belastet. Das macht nicht unbedingt Mut für den Standort Deutschland. Und das weiß die Politik auch, aber sie ändert es nicht. Echte Fortschritte erkenne ich hingegen beim Thema Bildung. Etwa in der flächendeckenden Einrichtung von Kindertagesstätten, um Frauen eine Berufspartizipation zu ermöglichen, aber auch bei Programmen, um Frauen für den MINT-Bereich, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, zu begeistern. Ich sehe auch wesentliche Verbesserungen an Schulen und Universitäten.
Wir brauchen Strukturreformen auf dem Arbeitsmarkt. Das betrifft in der Regel die Themen Arbeitszeit, Lohn- und Sozialkostenfragen, aber auch das Thema Lebensarbeitszeit. Was wir hier in Deutschland mit der Rente mit 63 machen, ist ein Irrsinn.
Wir selbst haben kein Qualitätsproblem, und die Gesamtheit der deutschen Zulieferer unternimmt sehr viel, um das höchste Qualitätsniveau weiterhin zu halten. Aber natürlich steigt durch den zunehmenden Anteil von Gleichteilen auch das Risiko. Doch neben den Risiken sehe ich auch Chancen für diejenigen Zulieferer, die die Prozesse wirklich im Griff haben. Verbunden ist damit natürlich die Hoffnung, dass unsere Kunden darauf auch bei der Auftragsvergabe Rücksicht nehmen. Denn Qualität ist nicht umsonst zu bekommen.
Nein, der Preisdruck ist unverändert hoch, aber dagegen habe ich auch gar nichts. Ich verstehe auch unsere Kunden, wenn sie sagen, dass sie selbst im harten Wettbewerb stehen. Es ist gut, dass wir gemeinsam ins Fitnessstudio gehen. Die Frage ist nur, was ist ein verantwortlicher Einkaufs- beziehungsweise Verkaufspreis, der es einem Zulieferer langfristig ermöglicht, nicht nur zu überleben, sondern auch innovativ zu bleiben? Das kann man nicht, wenn man auf dem Zahnfleisch geht.
Diese Herausforderung für Unternehmen besteht schon seit Längerem. Wir wissen, dass die Globalisierung nicht nur eine Kapital-, sondern auch gerade eine Personalfrage ist. Und da gibt es ja bereits Netzwerke, sogenannte Cluster, bei denen Unternehmen Unterstützung erhalten, um sich im Ausland ansiedeln zu können. So lassen sich unter den Unternehmen Ressourcen teilen, angefangen von den Standortuntersuchungs- und Erschließungskosten bis hin zum Pförtner oder der Buchhaltung. Da gibt es jede Menge Möglichkeiten, die nicht das Kerngeschäft betreffen.