Automobilwoche: Herr Dr. Konrad,die Neubesetzung der Berliner Geschäftsstelle ist für das deutsche Kfz-Gewerbe mehr als eine Nachfolge-Personalie. Der ZDK strebt mehr Einfluss auf der politischen Ebene an.
Konrad: In der Tat wollen Präsidium und Hauptgeschäftsführung des Deutschen Kfz-Gewerbes diese neu zugeschnittene Position politischer gestalten. Unsere Berliner Geschäftsstelle, die wir jetzt bewusst Hauptstadtbüro nennen, ist nun besetzt mit jemanden, der sowohl europäische Themen als auch bundespolitische Themen im Gepäck hat.
Gibt es Überlegungen, den Hauptsitz des ZDK nach Berlin zu verlegen?
Nein. Die Neuausrichtung des Hauptstadtbüros ist ja gerade vollzogen. Der Verband ist in der Hauptstadt hinreichend sichtbar. Ich bin regelmäßig montags in die Geschäftsführersitzungen in Bonn eingebunden. Insofern gibt es genügend Berührungspunkte und Austausch mit der Hauptgeschäftsstelle in Bonn. Ich möchte auch stärker deutlich machen, dass dieses Hauptstadtbüro zudem die Botschaft unserer Landesverbände in Berlin ist.
Vor zehn Jahren haben Sie in Brüssel bereits umfangreiche Erfahrungen mit der Gruppenfreistellungsverordnung gesammelt.
Ich war 15 Jahre lang als Mitglied des Europäischen Parlamentes, Mitglied im Wirtschaftsausschuss und habe als Berichterstatter die Gruppenfreistellungsverordnung (Kfz-GVO 1400/2002) betreut. Das Thema habe ich danach weiterhin im Blick behalten – auch als Mittelstandspolitiker – auf europäischer und deutscher Ebene. Dadurch war die Verbindung zu Bundes- und Europaangelegenheiten gegeben, und das ist auch die Basis meiner jetzigen Tätigkeit.
ZDK-Präsident Robert Rademacher hat jüngst die überbordende EU-Bürokratie beklagt.
Zurecht. Denn Bürokratie bedeutet ja gleichsam "Bürokratie-Kosten". In diesem Zusammenhang ist unter anderem ein Austausch mit Edmund Stoiber, dem EU-Beauftragten für den Bürokratieabbau, sowie mit Vertretern des Nationalen Normenkontrollrats vorgesehen. Ich glaube an Diskussionsprozesse, an Präsenz und an Argumente, und ich sehe es als meine Aufgabe, bei bestimmten Gelegenheiten Dinge noch sichtbarer zu machen.
Wie zum Beispiel?
Man könnte Herrn Stoiber einmal diesen Blätterwald überreichen, der mittlerweile einem Kunden übergeben werden muss, wenn er sein Auto finanziert oder eine Versicherung abschließt – ganz zu schweigen von der aktuellen Verordnung zur Kennzeichnung des Energieverbrauchs.