Las Vegas. Auf dem Weg zur Consumer Electronics Show CES hat Audi in einem A7 pilotiert 900 Kilometer zurückgelegt. Wie wichtig die USA für die Entwicklung des autonomen Fahrens sind und woran es in Deutschland mangelt, erklärt Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg:
Herr Hackenberg, wie wichtig ist es, dass der Fahrer unterwegs unterstützt wird?In meinen Augen ist das sehr wichtig, denn dies dient in erster Linie der Sicherheit aber auch dem Komfort. Aktuell sind wir in der Phase des assistierten Fahrens und helfen beim Spurhalten oder Parken. Beim nächsten Schritt, dem pilotierten Fahren, begleiten wir den Fahrer aktiv und greifen ein, sobald wir einen Fehler bemerken. Oder wir bieten an, das Steuer zu übernehmen. Bei Fahrten auf Autobahnen mit bis zu 60 Kilometern in der Stunde wollen wir das im nächsten A8 auch serienmäßig tun. Eine Steigerung drei Jahre später könnten die 140 km/h umfassen. Allerdings muss der Fahrer nach einer Aufforderung wieder das Lenkrad übernehmen können.
Wie sieht es mit dem autonomen Fahren aus?
Das wird der nächste Schritt sein. Wir werden die Geschwindigkeit steigern und immer mehr Situationen hinzufügen, die das Auto selbständig beherrscht. Zunächst muss gewährleistet sein, dass der Fahrer übernehmen kann, wenn es brenzlig wird. Aber auch dieses Backup wollen wir irgendwann abschaffen. Dann fahren wir autonom.
Wann wird das sein?
Es wird eine schrittweise Einführung sein. Um in der letzten und komplexesten Ausbaustufe - der Stadt - autonom zu fahren, wird es aber noch mehrere Jahre dauern.
Was den A8 betrifft, der voraussichtlich 2016 kommt, sind Sie sehr optimistisch. Dabei erlaubt das deutsche Gesetz beim pilotierten Fahren lediglich zehn km/h, nicht 60 km/h.
Das stimmt. Aber wir gehen davon aus, dass, wenn wir zeigen, dass damit ein großer Sicherheitsgewinn für die Verkehrsteilnehmer gegeben ist, auch die Gesetzgebung angepasst wird. Daran arbeiten wir und stehen mit der Bundesregierung in Gesprächen.
Schielen Sie auf andere Länder wie die USA, in denen sie ungehemmt pilotierte Autos testen können?
Grundsätzlich können wir mit unseren Testfahrzeugen sowohl in den USA als auch sehr eingeschränkt in Deutschland testen. Und wir tun es auch. Die USA sind aber aus verschiedenen Gründen für uns wichtig: zum einen wurden Kalifornien, Nevada und Florida zu Teststaaten für das autonome Fahren erklärt und bieten eine entsprechende Rechtssicherheit. Zum anderen müssen die Entwicklung pilotierter Funktionen für die USA den spezifischen Straßenbedingungen von dort angepasst werden. Wir gehen aktuell davon aus, dass der Markt in den USA eines der ersten Märkte sein wird, in denen das pilotierte Fahren gesetzlich geregelt sein wird. Darüber hinaus nutzen wir über unser Entwicklungsstandort im Silicon Valley das Entwicklungsnetzwerk mit verschiedenen Partnern aus der dortigen Region, die für uns von großer Bedeutung in diesem Themenfeld sind.
Sie würden also lieber nur in Ingolstadt das autonome Fahren entwickeln?
Mit unseren Entwicklungszentren in Deutschland, dem Silicon Valley aber auch China sind wir in den Kernmärkten gut aufgestellt. Aber auch hier in und um Ingolstadt gibt es viel zu tun: um zum Beispiel auf deutschen Autobahnen pilotiertes Fahren mit erhöhter Geschwindigkeit erproben zu können, sollten Pilotstrecken für automatisiertes Fahren inklusive Informationen über aktuelle Verkehrslage und kritischen Gefahrensituationen über Car-to-Infrastructure-Kommunikation eingerichtet werden. So könnten unsere Erprobungsfahrzeuge unter noch realeren Bedingungen geprüft werden. Hierzu bedarf es einer engen Abstimmung aller Stakeholder aus Industrie und Politik.
Sehen Sie hierzulande einen Wettbewerbsnachteil?
Um im internationalen Wettbewerb als Automobil- und Industrienation bei diesem Thema vorne zu sein bedarf es in Deutschland noch intensiver Anstrengungen. Aber ich denke es kommt langsam Bewegung in das Thema, und ich bin guter Dinge, dass wir mit den Gesetzgebern in naher Zukunft da einen guten Weg finden werden.