Peking. Im März eröffnete Daimler die lokale Produktion des M270-Motors für das Kompakt-SUV GLA. Das Motorenwerk auf dem Gelände des Joint Ventures mit Beijing Automotive (BAIC) arbeitet seit 2013. Es ist das einzige Daimler- Motorenwerk außerhalb Deutschlands und kann für alle in China gefertigten Mercedes-Modelle die Motoren liefern. Daimler folgt mittlerweile auch der Konkurrent aus München. BMW fertigt in Shenyang nahe seiner Autoproduktion bereits Antriebsstränge und errichtet dort derzeit ein Motorenwerk, das 2016 die Produktion aufnehmen wird. Vor allem Autobauer mit großer Fahrzeugproduktion im Land haben schon vor Jahren begonnen, in China auch Komponenten zu fertigen. Volkswagen hat bereits 13 Fabriken im Land, die Motoren, Antriebsstränge, Getriebe und Plattformen bauen. Zwei weitere Fabriken werden gerade errichtet. Toyota fertigt seit zehn Jahren Motoren, Getriebe und andere Komponenten in China und weitet diese Aktivitäten kontinuierlich aus. Zuletzt eröffnete eine Komponententochter im ostchinesischen Changshu 2014 eine Fabrik für Achsen und Getriebe. Die Produktion wird derzeit hochgefahren. PSA kann am eigenen Auto- Standort Xiangyang in der Provinz Hubei 1,2 Millionen Motoren verschiedener Größe bauen sowie 540.000 Getriebegehäuse. 200.000 weitere Motoren laufen jedes Jahr im PSA-Autowerk im westchinesischen Chengdu vom Band. Gefertigt wird in China auf höchstem technischen Niveau. Veraltete Motoren hätten heute keine Chance mehr, sagen Analysten. VW etwa produziert im nordchinesischen Changchun EA888- Turbomotoren, zu denen seit Anfang 2014 auch Motoren der neuesten dritten Generation gehören. Sie erfüllen die Abgasnorm Euro 6, obwohl diese strenger als die aktuelle chinesische Vorgabe ist. Auch bei der Fahrzeugproduktion ist China auf hohem Niveau. „Der Automatisierungsgrad entspricht dem Niveau in Deutschland“, sagt etwa Olaf Korzinovski, Geschäftsführer eines neuen Getriebewerks von Volkswagen in Tianjin. Es produziert Doppelkupplungsgetriebe für die beiden chinesischen Volkswagen-Joint- Ventures. „Auch der Aufbau der Fabrik ist der gleiche weltweit, gemäß der VW-Standard-Fertigungstiefe“, sagt Korzinovski.
Steigendes Lohnniveau
Da in China das Lohnniveau für Facharbeiter in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist, lohnt sich die Investition in moderne Fabriken mit hohem Automatisierungsgrad besonders. Das Werk in Tianjin kann derzeit 450.000 Getriebe produzieren. Ab dem Jahr 2016 wird die Kapazität auf 1,2 Millionen erweitert. Den Anteil importierter Komponenten wird das Werk laut Korzinovski parallel von derzeit gut 30 Prozent bis 2016 auf einen „einstelligen Prozentbereich“ drücken.