München. BMW etwa achtet schon bei der Vorauswahl der Lieferanten darauf, dass sie die ökologischen und sozialen Standards der Münchner erfüllen, erläutert Alexander Nick, der bei dem Hersteller für Nachhaltigkeitsstrategie und -management zuständig ist. Zudem sammelt BMW nach und nach Fragebogen der mehr als 12.000 Lieferanten ein, in denen sie die eigenen Nachhaltigkeitsaktivitäten einschätzen sollen. Ergibt sich nur ein mäßiges Niveau der Maßnahmen, steht Nacharbeit an. Nachfragen von Automobilwoche bei Zulieferern zeigen ein gemischtes Bild: Der Chef eines großen Mittelständlers wollte sich zur Nachhaltigkeit nicht äußern. Das lässt noch Potenzial in diesem Bereich vermuten. Lars Stolz, Partner und Automobilexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman: „Die meisten Automobilzulieferer sind beim Thema Nachhaltigkeit immer noch weitgehend unvorbereitet.“ Bei Continental hingegen arbeiten Teams aus Umweltexperten und den Produktionsbereichen über Abteilungsgrenzen hinweg an einer Verbesserung der Nachhaltigkeit, wie Thomas Sewald erläutert, der den Bereich Umwelt bei Continental Automotive leitet. Schon bei der Entwicklung achte man darauf, dass Produkte mit möglichst wenig Energie herzustellen sind, dass der Materialeinsatz reduziert wird oder verstärkt Recyclingmaterial zum Einsatz kommt. Auch Produktionsabläufe werden optimiert. Durch verringerte Wärmeabstrahlung der Reflow- Öfen in der Elektronikfertigung habe man zweifach Energie gespart: Die Öfen benötigen weniger Strom und die Produktionshalle muss weniger gekühlt werden. Unterm Strich bringen alle Effizienzprojekte bei Continental Geld: Nach zwei bis drei Jahren muss praktisch jede Maßnahme ihre Kosten durch Energieeinsparung aufgewogen haben. Peter Muhr, Geschäftsführer von Bühler Motor, sieht ebenfalls doppelten Nutzen: „Durchdachte und langfristig angelegte Innovationen nützen nicht nur der Umwelt, sondern steigern auch die langfristige und somit nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit von Bühler Motor.“ Bei dem Zulieferer rücke schon in Forschung und Entwicklung ein spezielles Umweltschutzprogramm die Gesamtumweltbilanz in den Fokus.
Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit
Automobilhersteller setzen seit Jahren verstärkt auf Nachhaltigkeit in Produktionsprozessen. Zunehmend schließen sich auch Zulieferer an – entweder freiwillig, weil neben dem Imagegewinn auch Kostensenkungen winken, oder aber auf Druck der Automobilhersteller.
Spritzguss mit Elektroantrieb
Mit Simulationen minimiere man den Materialeinsatz. Bei neuen Spritzgießmaschinen spare man Energie durch elektrische statt hydraulische Antriebe. Eine neue Pulverbeschichtungsanlage spare Energie und erhöhe die Qualität. Die Bedeutung derartiger Maßnahmen für den Unternehmenserfolg hebt auch Michael Lierow hervor. Der Partner und Experte für Nachhaltigkeit und Transport bei Oliver Wyman betont: „Mittelfristig wird Nachhaltigkeit einer der entscheidenden Faktoren für Differenzierung und Wettbewerbsfähigkeit sein.“