Wolfsburg. Die Neuordnung im Konzern- und Markenvorstand bei VW hat unter Führungskräften massive Unruhe ausgelöst. Insbesondere das Ressort Vertrieb, das der neue Konzernchef Martin Winterkorn in Wolfsburg auf Konzernebene neu einrichten will, sorgt intern für Verärgerung.
Der VW-Aufsichtsrat hatte vor vier Tagen (11.1.) der Abschaffung der Markengruppen VW und Audi, dem Zuschnitt neuer Vorstandsressorts und einer Reihe personeller Beförderungen geschlossen zugestimmt . Mit Enttäuschung aufgenommen wurde dabei vor allem Winterkorns Entscheidung, das neue Konzernressort Vertrieb zunächst nicht intern zu besetzen und, so die Pressemitteilung, die wichtige Personalentscheidung „zu einem späteren Zeitpunkt“ zu treffen.
Hoffnungen auf den Job hatten sich insbesondere VW-Markenvertriebschef Michael Kern und der VW-Generalbevollmächtigte Stefan Jacoby gemacht. Auch Winfried Vahland, dem VW-Statthalter in China, wurden Chancen für den Top-Job eingeräumt. „Der Umgang mit diesem bedeutsamen Vorstandsposten ist eine Ohrfeige für die Topmanager des VW-Vertriebs“, sagt eine Wolfsburger Führungskraft. „Dass Winterkorn und Piech nun auch extern nach einem Kandidaten suchen, trifft einige der Herren ganz empfindlich.“
Eine klare Aufwertung hingegen erfährt Werner Neubauer. Der frühere Leiter des VW-Stammwerks Wolfsburg ist derzeit im Range eines Generalbevollmächtigten für den Bereich Komponenten zuständig. Anfang Februar rückt Neubauer in dieser Funktion auf Wunsch von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech in den VW-Markenvorstand auf.
Zu Neubauers vorrangigen Aufgaben zählt die Fortentwicklung des Projekts „Kundenauftragsprozess“ (KAP), mit dem der scheidende VW-Markenchef Wolfgang Bernhard im Zuge des Sanierungsprogramms „ForMotion Plus“ die defizitäre Komponentenfertigung besser auslasten wollte. Mit „KAP“ sollen nun Logistik, Produktion und Vertrieb noch enger verzahnt werden. „An Neubauer“, so ein Kollege, „führt bei der Marke VW künftig kaum ein Weg vorbei.“
Neubauer und der neue VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, ein Ex-Audi-Mann, sollen zudem mehr Synergien zwischen den Konzernmarken heben. Daran hatte es Piech zuletzt gemangelt.