München. Assistenzsysteme übernehmen immer mehr Aufgaben, bieten dem Fahrer immer mehr Informationen und geben immer öfter Warnungen aus. Um den Fahrer damit nicht zu überfordern, bedarf es ausgefeilter Techniken für die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Bei deren Entwicklung setzen sich Automobilhersteller und Zulieferer zwei wichtige Prämissen: Bei Gefahr sollen die Assistenzsysteme den Fahrer so warnen, dass der intuitiv richtig reagiert. Und im „Normalbetrieb“ sollen die Bedienung der Systeme und die eventuell von ihnen gelieferten Informationen den Fahrer nicht ablenken. Als probate Lösung für den Normalbetrieb gilt vielen Autoherstellern das Head-up-Display, das Informationen in der Windschutzscheibe darstellt, sodass der Fahrer nicht den Blick von der Straße abwenden muss. Ein anderes Schlagwort lautet „Workload- Management“.
Zulieferer Delphi definiert es so: Abhängig von seiner aktuellen Beanspruchung und Verkehrssituation erhält der Fahrer genau die Informationen, die er braucht, und nur so viele, dass er nicht überfordert wird. Für die Warnung des Fahrers hat Continental etwa ein „aktives“ Gaspedal entwickelt, das den Fahrer durch Druck gegen den Fuß auf drohende Gefahren aufmerksam machen und ihn zur Reaktion bewegen soll. Audi setzt beim neuen Spurhalteassistenten auf Vibrationen im Lenkrad und eine automatische Gegenlenkbewegung, um den Fahrer wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
Wichtig ist auch, den Fahrer mental nicht abdriften zu lassen – obwohl Assistenzsysteme ihm einige Aufgaben abnehmen. Widmet sich der Lenker nicht mehr ausreichend seiner Fahraufgabe, erhält er Warnungen. Alternativ schalten sich die Assistenzsysteme ab und übergeben die Aufgabe wieder an den Fahrer. Guido Meier-Arendt, Principal Technical Expert Human Machine Interface bei Continental, beschreibt die Zukunftsvision so: „Perfekt ist ein Bedienkonzept, wenn der Fahrer nichts mehr aktiv bedienen muss: Das Auto erkennt, was der Fahrer benötigt, und zwar ohne dass dieser eine wie auch immer geartete Eingabe vornehmen muss. Das Auto antizipiert die Bedürfnisse des Fahrers, bereitet sich vor, macht passende Vorschläge, lernt dazu.“