München. Für die neun Gänge kommen nur vier einfache Planetenradsätze sowie sechs Schaltelemente zum Einsatz. Um die Schaltgeschwindigkeit zu erhöhen, sind die hydraulischen Komponenten (Pumpe, Ventile, Aktoren) nun in einer Baueinheit untergebracht, die von Mercedes etwas irreführend „Direktschaltung“ genannt wird. Daimler will die derzeitig gängige Siebengangautomatik allmählich durch den Neungänger ersetzen. Zwar läuft die Eigenentwicklung zunächst nur mit geringen Stückzahlen an, soll aber ab Herbst 2014 dann für weitere Baureihen zur Verfügung stehen. Bei ZF steht auf der IAA mit dem 9HP (Automobilwoche 6/2013) ebenfalls eine Neungang-Automatik im Zentrum des Interesses. Zudem widmet ZF der Hybridisierung breiten Raum. Die weniger werdenden Zylinder bekommen immer häufiger elektrische Unterstützung. Für getriebeintegrierte Konzepte, die vor allem bei Fahrzeugen mit Standardantrieb zum Einsatz kommen, gilt es unter anderem, die Leistungsdichte in der elektrischen Maschine zu steigern. In das 8HP ist mittlerweile eine E-Maschine mit 80 Kilowatt Spitzenleistung (45 kW Dauerleistung) ohne zusätzlichen Bauraumbedarf zu integrieren. Die voranschreitende Elektrifizierung beschäftigt auch Continental. „Wir müssen die Getriebefunktion im Segelbetrieb absolut sicherstellen“, sagt Rudolf Stark, der bei den Hannoveranern die Geschäftseinheit Getriebe leitet. Einen kleinen, aber wichtigen Schritt dazu stelle die Integration der Leistungselektronik in die Getriebesteuerung dar. Noch intensiver arbeitet Stark daran, Getriebe für das autonome Fahren auszulegen. Dafür müssen sie besonderen Sicherheitskriterien genügen. Dies gilt für die Hardware, die beim selbstfahrenden Auto zwei Prozessorkerne benötigt, genauso wie für die Software, die den strengen Sicherheitsstandard ASIL-D erfüllen muss. Auf dieser Basis könnten verstärkt Getriebe-, Assistenz- und Navigationsfunktionen miteinander verknüpft werden. Subaru zeigt auf der IAA, dass sich auch stufenlose Getriebe hybridisieren lassen. Für Schaeffler ist das stufenlose CVT-Getriebe ein gutes Geschäft: Die Herzogenauracher liefern die Laschenkette dafür nicht nur an Subaru, sondern auch an Jatco. Das Produktionsvolumen von rund einer Million Ketten (2012) soll sich bis 2015 verdoppeln.
Elektronik hilft in die Gänge
Die technischen Innovationen im Getriebebau sind auf der IAA überwiegend bei Zulieferern zu begutachten. Doch es gibt Ausnahmen: Mercedes-Benz zeigt die neu entwickelte Neungang- Stufenautomatik 9G-Tronic, die zunächst nur im E350 Bluetec zum Einsatz kommt. Die Spreizung zwischen erstem und neuntem Gang beträgt 9,2 und führt dazu, dass der Motor der Öko- E-Klasse möglichst häufig im optimalen Betriebspunkt betrieben werden kann. Der erzielte Verbrauchsvorteil soll 6,5 Prozent im Europäischen Fahrzyklus betragen. Für den Kunden ist außerdem die starke Drehzahlabsenkung im neunten Gang relevant: Er kann bei 120 km/h mit 1350 Touren geräuscharm und kraftstoffsparend dahingleiten.