Berlin. Hintergrund ist der schwindende Marktanteil chinesischer Hersteller. Aktuell liegt er nur noch bei rund 20 Prozent. Unter anderem durch die Ausweitung und Neuausrichtung der Förderpolitik für Elektrofahrzeuge soll dieser Trend umgekehrt werden. So wurde beispielsweise im vergangenen Jahr die Zahl der Pilotstädte, in denen der Kauf von Elektrofahrzeugen massiv subventioniert wird, von rund 25 auf nun 47 erhöht. Außerdem wurden die Auflagen dahingehend verändert, dass ausländische Produkte von nahezu allen Vergünstigungen oder Subventionen ausgeschlossen sind. Selbst die Förderung von Elektrofahrzeugen von Unternehmen mit ausländischer Beteiligung wurde an die Bedingung geknüpft, dass mindestens eine der drei Schlüsselkomponenten – Elektromotor, Batterie oder Leistungselektronik – von einem chinesischen Patentinhaber sowie aus chinesischer Fertigung kommen muss. Auch bei der Ladeinfrastruktur versuchen die chinesischen Behörden offenbar, heimischen Herstellern Vorteile zu verschaffen. In dem Positionspapier von Merics heißt es dazu: „Im Vordergrund steht das Ziel, ausländische Wettbewerber durch die Einführung eines eigenen, international nicht kompatiblen Standards zu benachteiligen.“ Nach wie vor gelten die ambitionierten Ziele der chinesischen Regierung, bis Ende 2015 eine halbe Million Autos mit Elektro- oder Plug-in-Hybridantrieb auf den Straßen zu haben und bis zum Jahr 2020 gar fünf Millionen. Aus heutiger Sicht klingt das utopisch, doch allein 2014 haben sich die E-Auto-Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahr auf rund 74.763 vervierfacht, wie der chinesische Herstellerverband CAAM mitteilte. Der Bestseller in diesem Nischenmarkt war im vergangenen Jahr das Plug-in-Hybridmodell BYD Qin, von dem nach CAAM-Angaben 14.747 Exemplare verkauft wurden. Im Verbund mit dem BYD e6 (3560 Neuzulassungen) ist BYD der aktuell größte E-Auto-Produzent in China. Kaum ins Gewicht fällt dabei allerdings das Elektroauto Denza, das aus einem Joint Venture von BYD mit Daimler stammt. Von dem Stromer im Format der Mercedes B-Klasse wurden 2014 in China lediglich 132 Exemplare zugelassen.
Förderung
Elektrische Industriepolitik
„Die Elektromobilität“, so erklärte Staats- und Parteichef Xi Jinping im vergangenen Jahr, sei der einzige Weg, um China zu einem „starken Land des Autos“ zu machen. Für nicht chinesische Unternehmen war das keine erfreuliche Botschaft. Denn Elektroautos – in China umfasst dieser Begriff Plug-in-Hybridfahrzeuge und reine Elektrofahrzeuge – sollen nicht nur die Luftverschmutzung drosseln und die Abhängigkeit von Rohölimporten senken, sondern auch für die Industriepolitik instrumentalisiert werden. Das Mercator Institute for China Studies (Merics) in Berlin kommt zu dem Schluss, dass die chinesische Regierung „durch die Förderung der E-Mobilität die Struktur des Automobilsektors grundlegend verändern“ wolle.