München. „Es wird wieder.“ Albert Schwinghammer, Chef des Autohauses Griesbeck in Fischerdorf, ist optimistisch: Anfang Oktober, vier Monate nachdem sein Autohaus in den Fluten versunken war, konnte er einen Teil des Betriebs wieder aufnehmen: Der Verkauf von Fiat, Ford und Volvo findet zurzeit im ehemaligen Bereich der Marken Jaguar und Land Rover statt, die beiden Edelmarken sind noch nach Straubing ausgelagert. Auch die Werkstatt in Fischerdorf läuft wieder, wenigstens zu 50 Prozent.
Die Schäden im früheren Fiat-, Ford- und Volvo-Betrieb sind immens. „Momentan schaut das Gebäude noch wüst aus, weil die Fassade fehlt. Zudem waren viele Schäden nicht auf den ersten Blick zu erkennen“, sagt Schwinghammer. „Es ist fast wie ein Neubau.“ Zu den Schäden an den Fahrzeugen, die er auf fünf bis sechs Millionen Euro schätzt, benötigt er für die Sanierung der Fassade und den Innenausbau weitere vier Millionen Euro.Etwa 40 Prozent davon habe die Versicherung bisher gezahlt. „Wir diskutieren um jede Position“, beschreibt der Händler das Prozedere bei der Schadensregulierung, „drei Mitarbeiter im Autohaus sind permanent damit beschäftigt.“ So hat das Hochwasser unter anderem 18 Hebebühnen zerstört. „Wir überlegen, was kann man reparieren und was muss erneuert werden? Eine schnelle Lösung gibt es nicht.“Eine schnelle Lösung gibt es nicht
Fünf Monate nach der verheerenden Flut kämpfen betroffene Autohäuser in Bayern immer noch mit den Folgen des Hochwassers Anfang Juni.
Velruste durch die Betriebsunterbrechung
Hohe Verluste verursachte auch die Betriebsunterbrechung. „Glücklicherweise konnten wir nach Plattling und Straubing ausweichen“, sagt Schwinghammer. Die Verteilung auf drei Standorte hat allerdings ihre logistischen Tücken – und sie wird auch nicht von allen Kunden mitgetragen: „Der Kundenverlust“, so der Händler, „ist nicht zu unterschätzen.“
Auch sein Kollege Erich Weinberger, Autohändler aus Rosenheim, musste eineinhalb Wochen lang eine komplette Betriebsunterbrechung verkraften, weitere zwei Monate lief der Betrieb nur mit Einschränkungen. Das Autohaus Weinberger trafen die Naturgewalten binnen einer Woche sogar gleich zweimal, denn wenige Tage nach der Flut kam der Hagel und demolierte 250 Autos. Mit der Versicherung muss Weinberger nun beide Schadensfälle verhandeln. Dabei geht es um ein Volumen von etwa 1,2 Millionen Euro. Bisher habe er eine Teilerstattung erhalten.Von Herstellerseite – Weinberger vertritt die Marken Toyota, Lexus, Peugeot und Citroën – gab es „Kleinigkeiten“, so der Händler. Schwinghammer dagegen wurde von seinen Herstellern „extrem tatkräftig unterstützt“ – unter anderem mit Finanzierungsprogrammen, kostenlosen Werkstattgeräten und Leihwagen bis hin zu Anpassungen bei Standards. „Da war eine große Solidarität spürbar.“