Ingolstadt. Auf den ersten Blick wirkte es wie eine spleenige Idee einiger Marketingleute. Audi enthüllte auf dem Autosalon in Genf im vergangenen Frühjahr einen A1 mit Elektroantrieb plus Wankelmotor. Die Idee war insofern charmant, als Audi damit elegant auf die Haushistorie verwies, denn immerhin kamen mit dem NSU Wankel Spider (Serienstart 1964) und dem NSU Ro 80 (1967) die beiden ersten deutschen Autos mit Wankelmotor von einem Unternehmen, das kurz darauf mit Audi fusionierte. Auch Mazda, Citroën und Mercedes- Benz bauten Ende der 60erund Anfang der 70er-Jahre Autos mit Wankelantrieb, wobei lediglich der japanische Hersteller bis heute Fahrzeuge mit dieser Technik in Großserie produziert.
Zukunftsträchtigste Mazda-Variante ist derzeit ein Prototyp des Sportwagens RX-8, dessen Motor mit Wasserstoff betrieben wird. Für diesen Brennstoff, so heißt es, sei die langsamere Verbrennung in den vergleichsweise großen Brennkammern eines Wankelmotors ideal. Ideal könnte ein Wankelmotor, bedingt durch seine Eigenschaften, auch als Ergänzung zu einem Elektroantrieb sein – etwa in einem Range- Extender-Fahrzeug. Audi hat für den A1 e-tron exakt diese Konfiguration vorgesehen. Denn ein Wankelmotor arbeitet nicht nur nahezu vibrationsfrei, sondern auch überaus leise. Ein hauptsächlich elektrisch angetriebenes Fahrzeug wäre also auch dann, wenn der Verbrenner als Stromerzeuger läuft, nahezu lautlos unterwegs. Weitere Pluspunkte für den Einsatz eines Wankelmotors in einem Auto, in dem bereits ein Elektroantrieb steckt, sind die kompakte Bauform und das damit verbundene vergleichsweise geringe Gewicht.
Im Audi A1 e-tron beispielsweise wiegt der dort installierte Einscheiben-Wankelmotor mitsamt der dazugehörigen Steuerelektronik, dem Abgasstrang, der Kühlung und dem Generator für die Stromerzeugung lediglich 65 Kilogramm. Darüber hinaus baut das Aggregat so klein, dass es unter dem Kofferraumboden platziert werden kann. Derartigen Vorteilen stehen einige ebenfalls konstruktionsbedingte Nachteile gegenüber. Die Dichtflächen eines Wankelmotors beispielsweise sind deutlich länger als bei einem Hubkolbenmotor, was unter anderem zu einem höheren Öl- und Spritverbrauch führt. Wie es bei Audi heißt, waren es diese typischen Schwachstellen des Wankelmotors, die neben diversen anderen Problemen zur Einstellung des Ro 80 im Jahr 1977 geführt haben.
Die Probleme, so versichern Audi-Mitarbeiter, seien inzwischen gelöst. Zudem handle es sich bei dem im A1 e-tron eingesetzten Motor um ein recht einfaches Aggregat. Weil der Wankelmotor vor allem zur Stromproduktion an Bord genutzt wird, läuft er beim Antrieb des Generators mit maximaler Effizienz und rund 5000 Umdrehungen pro Minute. Leichte Schwankungen beim Drehzahlniveau gibt es nur dann, wenn der Verbrennungsmotor quasi als Booster beim schnellen Beschleunigen zugeschaltet wird. Insofern trifft der alte Vorwurf, der Wankelmotor sei ein hemmungsloser Spritfresser, nicht mehr zu. Als Durchschnittsverbrauch für den A1 e-tron gibt Audi 1,9 Liter je 100 Kilometer an, wobei die Ingolstädter als Berechnungsgrundlage des Werts den aktuellen Normentwurf der EU (ECE-R 101) heranziehen, der die Verbrauchsberechnung für Elektro-, Hybrid- und Range-Extender- Fahrzeuge festlegt. Dementsprechend liegt der durchschnittliche CO2-Ausstoß bei 45 Gramm pro Kilometer.