Wolfsburg. Das Rezept scheint auf den ersten Blick einfach: Man nehme einen verkleinerten Touareg, verpasse ihm ein eigenständiges Gesicht, fünf aufgeladene Benzin- und Dieselmotoren und mache mit einem Griff in den VW-Modellbaukasten ein kleines SUV daraus - fertig ist der Tiguan. Der Marktstart erfolgt im November zu Preisen ab 26.900 Euro. Damit soll der Tiguan in dem bislang vom VW-Konzern nicht besetzten Revier von Toyota RAV4 und BMW X3 wildern.
Dass die Wolfsburger den Bonsai-Touareg preislich exakt gegen den japanischen Mitbewerber stellen - der kostet derzeit 26.600 Euro --, zeigt, auf welche Klientel man zielt. Dafür ist der Tiguan gut gerüstet: Der zweite Geländewagen von VW bietet mit den drei Benzinmotoren von 150 bis 200 PS (28.600 Euro) und den 140 und 170 PS starken, Euro-5-tauglichen Dieseln eine ordentliche Auswahl. Das Topmodell mit dem großen Diesel und Sechsgangautomatik kostet 32.450 Euro. Die Aufpreisliste umfasst zahlreiche Positionen wie Panoramaschiebedach, Rückfahrkamera und den aus dem Touran bekannten Einparkassistenten. Wann das Direktschaltgetriebe DSG zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest. "Wir haben derzeit noch keine DSG-Lösung", erklärt VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg. Das liege am hohen maximalen Drehmoment der neuen Common-Rail-Dieselaggregate. Bereits der 140-PS-TDI entwickelt 320 Newtonmeter. Aber VW will "den Ausstattungsbaukasten nach und nach anpassen". Zum Start gibt es drei Ausstattungspakete, eines davon wurde speziell für Offroad-Fans geschnürt: Als besonders geländegängige "Track&Field"-Version soll der Tiguan mit einem Offroad-Modus, der "eine ganze Armada von Assistenzsystemen für Geländefahrten" (Hackenberg) beinhaltet, auch echte Offroad-Freaks locken. VW hat mit dem Auto laut Marketingchef Michael Kern "die Gnade der späten Geburt" genutzt. So lag ein Augenmerk bei der Entwicklung auf einem besonders agilen Handling. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die Lenkung - eine Konzern-Eigenentwicklung, die laut Hackenberg künftig auch in anderen Modellen eingesetzt wird. Doch auch der für ein SUV ungewöhnlich variable Innenraum mit verschiebbarer Rücksitzbank soll die Kunden beeindrucken. Die dazu passende familientaugliche Werbung ist bereits konzipiert.
Über Absatzpläne äußert man sich bei Volkswagen hingegen nicht. Das Segment wird in Westeuropa auf 600.000 Einheiten geschätzt, in den USA gar auf 1,5 Millionen. Sicher ist, dass VW neben der zunächst auf rund 120.000 Stück pro Jahr ausgelegten Kapazität beim Touran-Fertiger Auto 5000 in Wolfsburg weitere Produktionsstätten für das Fahrzeug plant: Russland steht als zweiter Standort ab 2009 fest, und eine Fertigung im Dollar-Raum - immerhin 50 Prozent gehen internen Schätzungen zufolge dorthin - "macht bei entsprechendem Absatz ebenfalls Sinn", heißt es in Wolfsburg.