Brühl. Schluss mit lustig. "Der neue Renault Twingo ist kein Spielzeug mehr, sondern ein richtiges Auto", betont die verantwortliche Produktmanagerin Cécile Cohen-Akenine aus Frankreich. Eine kühne Aussage, schließlich war der erste Twingo dank seiner außergewöhnlichen Form, dem damit verbundenen Raumangebot und der Variabilität ein Trendsetter in seiner Klasse. Und ein überaus erfolgreicher dazu. Der Kleinwagen aus Frankreich fand in 15 Jahren weltweit rund 2,4 Millionen Abnehmer.
Die erste Generation als Spielzeug zu bezeichnen, verwundert also. Es ist aber ein Indiz für die Angst, von der man beim französischen Créateur d'Automobiles befallen scheint. Mutiges Design ist offensichtlich nicht mehr angesagt - obwohl rund 35 Prozent der Kunden den Twingo genau aus diesem Grund gekauft haben. Avantime, Vel Satis und Mégane haben doch Spuren von Zweifel im einstigen Selbstbewusstsein hinterlassen. Jetzt rudert der Konzern selbst beim Erfolgsmodell zurück. Der Neue verabschiedet sich in die Beliebigkeit. Design von der Stange. Seine inneren Werte sollen hingegen überzeugen. Bei Renault heißt das offiziell: Der neue Twingo ist dynamisch, praktisch und trendig. Die bekannte Motorenpalette (1,2-Liter-Benziner mit 60/75 PS) wurde um eine 100 PS starke Turbo-Variante (GT) des bewährten Vierzylinders erweitert. Damit möchte man vor allem junge Männer locken - und damit eine "neue" Klientel. Bis dato waren es fast ausschließlich Frauen, die den Twingo kauften. Eine noch schärfere Ausführung ist unter dem Label "Twingo Renault Sport" bereits in Planung.
Für Sparer ist wiederum der 1.5 dCi gedacht. Damit hält erstmals ein Diesel Einzug im Twingo. Der Selbstzünder leistet 65 PS und soll 4,3 Liter verbrauchen. Das Fahrwerk ist ebenfalls neu und steht für mehr Fahrspaß. So weit die Dynamik. Zu den praktischen Vorzügen gehören mit Sicherheit der größere Innenraum des um 17 Zentimeter gewachsenen Franzosen und die verschiebbaren Einzelsitze hinten. Sie ermöglichen entspanntes Sitzen im Fond oder ein Maximum an Laderaum (285 bis 959 Liter). Der Beifahrersitz lässt sich sogar umklappen. Und den Begriff "trendig" verbinden die Franzosen künftig nicht mehr mit Design, sondern mit Elektronik: Eine Bluetooth-Schnittstelle für Telefon, Navigationsgerät, MP3-Player- und USB-Stick-Anschluss gehören zum Multimediangebot des Twingo.
Anfang September rollt die Neuauflage zu den Händlern. Bei Renault ist man optimistisch. Die Preise beginnen bei 9250 Euro - 50 Euro mehr als bisher. Meistverkauftes Modell soll der 1.2 16V mit 50 Prozent Verkaufsanteil werden. Nur zehn Prozent der Kunden werden laut Renault den Diesel ordern.